Von Wolfram Siebeck

Die Nöte des Touristen, dem nach 100 Kilometern Reise einfällt, daß er entweder das Bügeleisen nicht ausgeschaltet oder das Badewasser nicht abgestellt hat, sind durch Cartoonisten hinlänglich bekanntgeworden. Die Ungewißheit, ob die Haustür abgeschlossen ist oder nicht, schmälert das Vergnügen an der Sixtinischen Kapelle nicht unbeträchtlich.

Wie gut hat es dagegen der kluge Mann, der Haus und Kinder von erwachsenen Verwandten hüten läßt, Ihnen kann er in Ruhe erklären, wie die Heizung funktioniert, womit die Katze gefüttert werden muß und warum der Weinkeller abgeschlossen ist. Dann setzt er sich gelassen in sein Auto, winkt noch einmal zurück und kann sich nun beruhigt auf die vor ihm liegenden schönen Tage konzentrieren.

Das heißt, nach 37 Kilometern kehrt er noch einmal um, weil er den Garagenschlüssel noch in der Tasche hat.

Die Wiedersehensfreude nach so kurzer Zeit ist groß, besonders beim Jüngsten, der sich den Kopf natürlich lieber von der eigenen Mutter verbinden läßt als von der Tante, die ihn mitgerissen hatte, als sie die Kellertreppe hinunterfiel.

Der zweite Start klappt womöglich noch besser als der erste. Ein kurzes Winken, und der kluge Mann kann sich wieder auf die vorihm liegenden schönen Tage konzentrieren und gleichzeitig überlegen, was die Schwägerin wohl so eilig in den Keller zu rennen hatte.

Bei Kilometer 37 fällt ihm diesmal ein, daß der Schornsteinfeger in den nächsten Tagen kommt. Nicht jede Frau behält die Nerven, wenn sie in einem fremden Haus plötzlich einem schwarzen Mann gegenübersteht. Der kluge Mann, der inzwischen auf der Autobahn fährt, hält es für klüger, der nächsten Abfahrt bis zu einer Telephonzelle zu folgen. Als er seine eigene Nummer wählt, ist sie besetzt.