Von Heidi Düri

Als der Botschafter eines EWG-Landes in Polen kürzlich in seine Heimat zurückkehrte, hatte er in seinem Gepäck auch einen Koffer voll alten Silbers, das er in der Volksrepublik erworben hatte. Um den Wert seiner glänzenden Schätze genau taxieren zu lassen, zog er einen versierten Silberhändler als Experten zu Rate. Dieser kam, sah und wußte bald Bescheid: Alle Stücke waren gefälscht.

Polen ist neben Österreich, Italien, Spanien, England und neuerdings auch Ungarn eines der Zentren der heutigen Silberfälscher. Die polnischen Stücke kommen meist über Wien in den Westen. Man vermutet, daß die Vorbilder von westlichen Auftraggebern nach Polen geschickt werden.

Gefälscht wird alles, was gut und teuer ist, vor allem Gebrauchs- und Sammlungsstücke des hochbezahlten 18. Jahrhunderts: Tee- und Kaffeekannen, Zuckerdosen, Tabletts, Leuchter und Girandolen (möglichst passend zueinander, was es nur äußerst selten gegeben hat), Becher, Schäldien und Terrinen.

Begünstigt durch den Historismus mit seiner Sucht, die Stile vergangener Epochen zu reproduzieren, wurde auch im 19. Jahrhundert schon gefälscht, allerdings nicht so sklavisch genau wie heute. An den meisten Stücken sind Stilelemente der Entstehungszeit erkennbar.

Silberfälschungen lassen sich meist leichter erkennen als andere Antiquitäten-Kopien; einmal weil die Techniken der alten Gold- und Silberschmiede heute viel zu aufwendig sind und deshalb durch modernere ersetzt werden, und zum anderen, weil die meisten Fälscher das komplizierte System der Silberstempel nie ganz durchschauen.

Auch der Silbergehalt entlarvt die Kopien. Die Vorschriften der Zünfte änderten sich zwar häufig, so daß man für altes Silber keinen allgemeingültigen Silbergehalt angeben kann, aber modernes Silber unterscheidet sich in seiner Legierung auf jeden Fall von altem. Ein untrügliches Zeichen für eine Fälschung, zumindest eine Verfälschung ist es auch, wenn an einem einzigen Stück zwei verschiedene Legierungen vorkommen.