Von Roland Gerber

Schulabgänger haben offensichtlich Angst vor dem Amtsschimmel: Nur wenige Abiturienten interessieren sich für eine Karriere bei Vater Staat. Dabei wird in der öffentlichen Verwaltung verzweifelt nach qualifizierten Nachwuchskräften gesucht. Allein in Hamburg sind zur Zeit 2000 Stellen in allen Zweigen des öffentlichen Dienstes nicht besetzt.

Das Angebot an beruflichen Laufbahnen ist im Vergleich zu dem, was die Wirtschaft zu bieten hat, ausgesprochen vielfältig. Viele Karrieremöglichkeiten sind speziell auf Abiturienten zugeschnitten, die kein Hochschulstudium anstreben.

Geradezu klassisch sind die Laufbahnen des Bundesbahn- und Bundespostinspektors. Der Fachjargon spricht von "Beamten des gehobenen nichttechnischen Dienstes". Die Ausbildung dauert im allgemeinen drei Jahre. Bei der Bundes bahn wird der künftige Staatsdiener zweieinhalb Jahre nach Bestehen der Laufbahnprüfung als planmäßiger Beamter angestellt, bei gutem Prüfungsergebnis auch schon früher. Mit 27 Jahren ist dem Inspektor die Stelle auf Lebenszeit sicher.

Als monatliche Unterhaltszuschüsse während der Ausbildung zahlen Bahn und Post 579 Mark für Ledige und 767 Mark für Verheiratete. Übrigens: Die Bundesbahn stellt auch Bewerber ein, die lediglich die "Versetzung in die letzte Klasse einer Oberschule" geschafft haben.

Beide Staatsunternehmen stellen beträchtliche Anforderungen an junge Bewerber: Die Bundesbahn erwartet zum Beispiel gutes Hör- und Sehvermögen, nervliche Belastungsfähigkeit, Verantwortungsbewußtsein und Vorgesetzteneigenschaften. Die Bundespost gar verlangt Organisation- und Improvisationsvermögen. Die Bahn ist zur Zeit besonders um qualifizierten männlichen Nachwuchs verlegen. Der Bedarf an weiblichen Kräften ist dagegen gering.

Der künftige Finanz- und Zollbeamte soll über besondere Tugenden verfügen: Er muß nicht nur Verständnis für wirtschaftliche Zusammenhänge haben, sondern muß auch absolut unbestechlich sein. Dafür ist die Ausbildung im Zolldienst sehr abwechslungsreich. Neben der intensiven praktischen Ausbildung werden in Lehrgängen Kenntnisse in Staats- und Verwaltungskunde, Strafrecht, Warenkunde oder Rechnungswesen vermittelt.