Bremen

Ein Rangierer plauderte. Die Bundesbahn dementierte nicht. Die Meldung vom nächtlichen Geisterzug stahl vorübergehend allen Wahlkampfberichten in der Bremer Presse die Schau. Man las und rieb sich die Augen: Bremens Prachtzug, der TEE "Roland", fährt jede Nacht als Geisterzug von Bremen nach Hamburg. Wenn er, von Mailand kommend, um 21.50 Uhr seine Fahrgäste im Heimatbahnhof Bremen abgesetzt hat, fährt er weiter nach Hamburg. Leer. Und leer kommt er irgendwann in der Nacht von Hamburg zurück.

Einziger Grund für die Leer-Reise: Der "Roland" muß gewaschen werden; Bremen hat keine TEE-Wasch-und-Wartungsanlage. Also: 110 Kilometer hin, 110 Kilometer zurück, damit der saubere Roland morgens um 8.20 Uhr von Bremen aus sauber nach Mailand starten kann. Und abends dasselbe wieder von vorn. Der Bremer "Roland" kann nur in Hamburg gewaschen werden.

Da fragt man sich: Was kostet das? Und: Wenn schon so kostspielige Waschfahrten, warum dann diese nicht als letzte Schnellverbindung für Reisende abends von Bremen nach Hamburg und morgens die erste Schnellverbindung von Hamburg nach Bremen? Die Bremer haben noch im Ohr, was Verkehrsminister Leber eben jetzt im Wahlkampf über erfolgreiche Rationalisierungsmaßnahmen der Bundesbahn sagte. Es klang so vernünftig.

Vom 26. September an ist Bremen Heimatbahnhof für einen zweiten TEE. Dann fährt der "Prinz Eugen" täglich von Bremen nach Wien und zurück. Bittschön: Wo wird der Prinz wohl gewaschen? L. W.