Seit gut einer Woche erscheint in Hamburg eine neue Wochenzeitung. Ihr Titel –"Die Zwei" – drückt aus, daß sie aus zweien besteht: aus einer Funkprogrammzeitschrift, die eingelegt ist in eine sogenannte Familienzeitschrift, welche nicht nur regenbogenbunt gedruckt ist, sondern in ihrem Inhalt genau dem entspricht, was man Regenbogenpresse nennt.

Nun ist dies aber kein Produkt irgendeiner Springer-, Bauer- oder Burda-Presse, sondern das geistige Erzeugnis eines 66jährigen Sozialdemokraten. Er heißt Heinrich Braune, war früher Chefredakteur der auf allen Gebieten erfolgreich mit der Hamburger Bild-Zeitung konkurrierenden Hamburger Morgenpost.

Was mag in einem alten Sozialdemokraten vorgehen, der offensichtlich an die Beschränktheit der arbeitenden Massen glaubt und sich daran bereichert? Glaubt er, daß das Geld, das auf diese, geistigem Betrug nicht sehr fernstehende Art und Weise verdient wird, weniger stinke als das eines charakterschwachen Kapitalisten, bloß weil es zum größten Teil in die Kasse seiner Partei rollt?

Solche Fragen stellen sich besonders, seit ein paar (bis zum Sonderparteitag der SPD im November unverbindliche) Entwürfe für eine neue sozialdemokratische Pressepolitik in Umlauf gekommen sind, vor allem der der offiziellen SPD-Medienkommission mit ihrem Vorsitzenden, dem Hamburger Innensenator Heinz Ruhnau.

Darin stehen Sätze, die sich mit der Konzentrierung aller Partei-Verlagsunternehmen in einer Aktiengesellschaft befassen, mit der betriebswirtschaftlichen Anpassung an die Erfordernisse der kapitalistischen Leistungsgesellschaft, aber auch Sätze über die Moral des Journalismus und seine Unabhängigkeit.

Freilich wirkt es befremdlich, wenn es einerseits heißt, man wolle das Profitstreben kapitalistischer Unternehmen nicht nachahmen, wenn aber andererseits Ruhnaus hanseatischer Parteifreund Braune gerade in diesem Moment anfängt, das Gegenteil zu demonstrieren.

Was er tut? Er verbreitet die archivierten Platitüden der Regenbogenbranche über Romy Schneider, Unsinn über das Reiten, läßt eine Prinzessin zu Schönaich-Carolath erfundene Nachrichten über Soraya und "aus Hofkreisen" über Farah drucken, verblödet die Leser mit haarsträubendem pseudowissenschaftlichem Humbug über "Erdstrahlen", läßt sie über dumme Arbeitnehmer lachen, hält die Frauen zum Narren mit einer ganzen Anzahl hanebüchener Behauptungen.