Washington, Anfang Oktober

Keine Hoffnungen sind das einzige Ergebnis des Mammuttreffens in Washington, auf dem 118 Wirtschaftsminister und Notenbank-Chefs einen Ausweg aus der Weltwährungskrise finden wollten. Das war zu erwarten und ist dennoch zu wenig.

Der internationale Handel bleibt weiterhin gestört, der Zahlungsverkehr wird noch einige Zeit mit Unsicherheiten und Risiken belastet sein, die für manchen unerträglich zu werden drohen. Freilich: Dieser Druck verspricht vielleicht eher ein Ende der Krise als die vagen Absichtserklärungen der führenden Industriestaaten.

In Washington haben viele kleinere Staaten ihre Sorge über das herrschende Währungschaos geäußert, denn es hemmt ihre weitere wirtschaftliche Entwicklung. Aber auch Industriestaaten wie die Bundesrepublik und die Niederlande, deren Währungen in den vergangenen Wochen über Gebühr aufgewertet worden sind, drängen, zur Eile.

Ohne die von Wirtschaftsminister Schiller beschworene "schmerzhafte Überprüfung" der vielen unterschiedlichen Standpunkte wird es jedoch keine Neuordnung geben. Das gilt für die Bundesrepublik, die über die von Schiller prognostizierte Mark-Aufwertung um "acht minus X Prozent" wahrscheinlich wird hinausgehen müssen. Es gilt auch für die Vereinigten Staaten, die sich der auch im eigenen Lande wachsenden Einsicht in die Notwendigkeit einer Dollar-Abwertung kaum werden verschließen können. Frankreich wird seine Goldillusion zu begraben haben, für die sich Giscard d’Estaing in Washington erneut stark gemacht hat. Und die Japaner, die in Washington, so taten, als hätten sie nie von einer Währungs- und Handelskrise gehört, werden sich an Kooperation gewöhnen müssen.

Die Ansicht einiger europäischer Vertreter, es werde noch bis zum Ende dieses Jahres zu einem Realignment, einer umfassenden Neubewertung der Währungen, kommen, steht auf wackligen Beinen. Dennoch ist sie nicht ganz illusionär. Wer hoffen will, mag sich auf das Zugeständnis der Amerikaner im Zehnerklub der führenden westlichen Industriestaaten berufen, über Umfang und Methode einer Neubewertung zu verhandeln und eventuell auch die Einfuhr-Sonderzölle abzuschaffen. Nach der vorsichtigen Andeutung des cleveren US-Finanzministers John Connally, man solle die internationale Rolle des Goldes mindern, erscheint ein Rückzug der Amerikaner nicht mehr ausgeschlossen.

Kein Gremium freilich ist im Augenblick in der Lage, den Knoten zu durchschlagen. Die Versammlung der 118 war schon wegen ihrer Größe handlungsunfähig. Der Zehnerklub hat sich nur auf einen neuen Sitzungstermin geeinigt. Darin erschöpfte sich auch das Gespräch der europäischen Sechs, die sich am Rande des Washingtoner Treffens zusammensetzten. Dabei böte vor allem eine einheitliche Haltung der EWG große Chancen. Viele andere Länder würden sich einer europäischen Wechselkurs-Einigung anschließen. Eine solche Einigung indes war in Washington so fern wie zuvor in Brüssel.