Mit knapp einer Milliarde Mark, nämlich 800 Millionen, soll die deutsche Luftfahrtindustrie an der jüngsten Bonner Wehrbeschaffung beteiligt werden. Insgesamt vier Milliarden Mark "einschließlich Mehrwertsteuer und Einfuhrabgaben" kostet der Kauf der 175 Phantom-Flugzeuge, für die sich Verteidigungsminister Helmut Schmidt entschieden hat.

Die zweisitzige Phantom F-4 F wird für die Luftwaffe als Abfangjäger und zur Luftnahunterstützung jene Lücke schließen, die bei den Starfighter-Verbänden der Luftwaffe in den nächsten Jahren bis zur Serienreife des neuen geplanten Kampfflugzeuges MRCA entsteht. Das amerikanische Flugzeug gilt bei der Luftwaffe als das derzeit beste Kampfflugzeug. Rüstungs-Staatssekretär Ernst Wolf Mommsen versicherte: "Wir hätten die Phantom nicht bestellt, wenn sie nicht der Wunschtraum der Luftwaffe gewesen wäre." Nach Auskunft der Luftwaffenführung ist die Phantom ihrem sowjetischen Gegner, der Mig 21 absolut überlegen.

An der Vier-Milliarden-Wirklichkeit wird, die bayerische Motoren- und Turbinenunion (MTU) mit rund 520 Millionen Mark beteiligt. MTU wird die Triebwerke für die 175 Flugzeuge bauen. 2.6 Milliarden des Auftragswertes gehen über die amerikanische Regierung an US-Firmen, die nach Möglichkeit, deutsche Partner der Zellen- und Ausrüstungsindustrie beteiligen sollen.

Profitieren wird andern Phantom-Kauf indes nicht nur die deutsche Luftfahrtindustrie, sondern auch die Bundeskasse von Wirtschafts- und Finanzminister Karl Schiller. Bei den Vertragsverhandlungen mit den Amerikanern hat Bonn – nämlich keinen Zweifel gelassen, daß die Phantom-Beschaffung auch ein stattlicher Beitrag zum deutsch-amerikanischen Devisenausgleich sein wird. Über die Höhe der Summe, die Bonn den Amerikanern bei den Devisenausgleichsverhandlungen in Rechnung stellen will, schweigt sich das Verteidigungsministerium vorerst freilich noch aus.

Die Bezahlung des jüngsten Beschaffungsprogramms der Bundeswehr gilt als gesichert. Ministerialdirektor Hansgeorg Schiffers versicherte, daß die bestellten Flugzeuge Mitte der 70er Jahre weitgehend bezahlt sein werden. Bis dahin wird auch die Entscheidung gefallen sein, ob das geplante Kampfflugzeug der 80er Jahre, die MRCA – eine von Deutschen, Briten und Italienern begonnene Gemeinschaftsentwicklung überhaupt fliegen wird.

Nach dem jüngsten Entwicklungscheck stehen die Chancen günstig. Staatssekretär Mommsen: "Wir haben den Weg gefunden, wie man so ein Ding machen kann." hff