Wir sind geborene Polizisten. Was ist Klatsch andres als Unterhaltung von Polizisten ohne Exekutivgewalt? Christian Morgenstern

Verein "Junges Theater Würzburg"

Trotz CSU-Repressionen und Kündigung des Dramaturgenpostens am Stadttheater Würzburg wird Erich Michalka seine politische Theaterarbeit fortsetzen. Ein gemeinnütziger Verein "junges Theater Würzburg e. V." wurde von Jugendlichen und Bürgern der Stadt gegründet, "um ohne Repressionsgefahr weiter Theater spielen zu können und um finanziell gefördert zu werden" (Michalka). Der Verein plant Kinder- und Jugendtheater, Kindertheater für Eltern und Straßentheater mit gezielter politischer Agitation, Zunächst sollen lokale Mißstände attackiert werden. Gastspieleinladungen liegen vor: Am 2. Oktober tritt das "Junge Theater Würzburg" in Hildesheim mit dem Kollektivstück "Du darfst, du darfst nicht" auf.

Prix Italia für das "Millionenspiel"

Ein (kommerzielles) Fernsehen der Zukunft, das die Sensationen echter Katastrophen, zum Beispiel einer echten Menschenjagd, als Volksbelustigung arrangiert und präsentiert und alles, worauf es seine Objektive richtet, nur noch in seinem Show-Wert gelten läßt: das hatte Wolfgang Menges und Tom Toelles vom WDR produzierter Fernsehfilm "Das Millionenspiel" satirisch vorgeführt. Wie wenig aus der Luft gegriffen die Satire war, zeigten die vielen Reaktionen, die das Spiel für Ernst nahmen, zeigten auch die stark polarisierten Infratest-Ergebnisse, die dem Stück, das am 18. Oktober 1970 gesendet wurde, eine Durchschnittsbewertung von –2 eintrugen, während Fernsehspiele sonst bei +3 liegen. Jetzt erhielt das "Millionenspiel" den angesehensten internationalen Fernsehpreis, den Prix Italia. Am 18. November, wenn die ARD den Film wiederholt, können die Bundesbürger noch einmal überprüfen, ob sie diese Analyse ihrer Sensationsgier ertragen.

Karajan-Sieger: ein Israeli

Sieger des zweiten internationalen Dirigenten-Wettbewerbs, den die Herbert-von-Karajan-Stiftung in Berlin veranstaltet hat, ist der 25 Jahre alte Israeli Gabriel Chmurs geworden: ein in der Tat hochbegabter Mann. Die folgenden Preisträger sind der Sowjetrusse Mariss Jansons und der Pole Anton Wit (geteilter zweiter Preis) sowie der Bulgare Emil Tschakarow (dritter Preis). Die Berliner Philharmoniker, mit denen die Preisträger ihr Schlußkonzert gaben, waren mit der Wahl ausdrücklich zufrieden; jedenfalls hat sie beeindruckt, mit welcher musikalischen Intensität Chmurs sie gezwungen hat, Strawinskys "Feuervogel" so langsam wie noch niemals vorher zu spielen. Dem Israeli winken – neben Bronzeplakette und 10 000 Mark – ein Schallplattenvertrag und ein Konzert mit den Berliner Philharmonikern; ihm droht hoffentlich nicht, womit sein Vorgänger, der Finne Okko Kamu, später zu kämpfen hatte: ein Überangebot von Dirigiervertragen, dem er nicht gewachsen wäre.