Der Präsident des Senats, Bürgermeister Peter Schulz, und der Präsident des Organisationskomitees für die Spiele der XX. Olympiade, Willi Daume, hatten zu einem Olympiaabend gebeten. Synchron mit dieser Veranstaltung lief in 70 deutschen Städten eine gezielte Werbekampagne für die Olympischen Spiele 1972 in München.

Zum Beispiel in Hamburg. Mit hanseatischem Understatement, ohne Pathos betonte der Erste Bürgermeister den Sinn des Wettkampf es, das Siegenwollen. Doch nicht um jeden Preis, der einst in Berlin 1936 für das deutsche Volk zu hoch gewesen sei. Der Hybris von damals stellte er die Forderung nach Toleranz heute gegenüber – statt der Pauke also mehr ein leises Trommeln. Willi Daume blieb in der gleichen Tonart. Statt großer Worte nüchterne Information, statt Verkündigung einer Idee ein Seminar über Olympia.

Der gewaltigen – nach Willi Daumes Aussage – endgültigen Kostensumme von zwei Milliarden stellte er das Zukunftsbild einer Stadt von übermorgen gegenüber – "von den ideellen Auswirkungen solcher Spiele ganz zu schweren". Die reinen Kosten für die Spiele in München und Kiel – Sportstättenbau 570 Millionen, für die Durchführung 550 Millionen – seien bis auf etwa 60 Millionen durch die Einnahmen aus Lotterien, Kommerzialisierung durch Vergabe von Lizenzen und Kartenverkauf gedeckt, ein Lob dem Organisationskomitee. Die 750 Millionen für die Infrastruktur müßten "sowieso Bund und Länder tragen". Vergeblich wartete man auf einen Hinweis, die Spiele würfen auch Gewinn ab – so weit wollte der Präsident dann doch nicht gehen.

Trotz allem Optimismus klang auch die Sorge um die Entwicklung zum Gigantismus durch, und Willi Daume scheute sich nicht, die Tendenz in vielen Ländern darzulegen, die Spiele zu dezentralisieren, verschiedene Disziplinen in verschiedenen Städten durchzuführen – analog etwa den Fußballweltmeisterschaften. Hier beschwor er Coubertin, der die Einheit von Zeit und Raum gefordert habe, denn sie allein garantiere den Charakter des Festes, das durch seine Faszination "die Herzen der Menschen" erfasse.

Doch gelang es dem Präsidenten auch hier, den politischen Akzent des Abends zu wahren, als er fortfuhr, man könne niemanden zwingen, die Olympischen Spiele zu lieben, aber das Vertrauen der Welt zu gewinnen, sei alle Mühen wert. "Die Umrisse Münchens lassen auch Deutschland sichtbar werden." Der abschließende Olympia-Film – Besuch in einer Stadt – war im Peter-Stuyvesant-Stil. gehalten – ohne Informationswert, mehr Schein als Sein. Fazit dieses Abends: eine Skizze und ein Appell, deren sachliche Kühle das Prädikat wertvoll verdienen. Olympia rief, alle werden kommen. J. W.