Von Nina Grunenberg

Vater und Mutter, ihre beiden Kinder, die Oma und der Opa blieben vor der Mensa der Bremer Universität stehen. "Und das", sagte die Mutter, "ist die Uni-Gaststätte." Die Familie kehrte ein, an der Theke gab es Eis am Stiel, Coca-Cola, Negerküsse und Kaffee, und als alle einen Platz gefunden hatten, erklärte der Sohn ihnen eifrig, was er eben von Professor Othmar Preuß gelernt hatte: "Ehrlich", sagte er altklug, "lehren muß wirklich gelernt werden."

Das war am letzten Sonntag, eine Woche vor der Bremer Bürgerschaftswahl. Um vierzehn Uhr waren die drei bescheidenen Universitätsgebäude, die an der Bremer Achterstraße, zwischen Stadtwald und Autobahn, drei Kilometer vom Stadtkern entfernt, auf dem freien Feld stehen, geöffnet worden. "Soviel wie am letzten Sonntag", meinte Hans-Dieter Müller, der Chefplaner der Universität, bedenklich, "kommen sicher nicht wieder."

Am Sonntag davor waren rund viertausend Bremer zur Besichtigung gekommen. Ängstlich, wie sie mit den Jahren geworden sind, hatten die Universitätsleute anfangs bezweifelt, daß überhaupt jemand die "rote Kaderschmiede" sehen wollte. Die Genossen in der SPD-Fraktion waren zuversichtlicher gewesen, vielleicht auch stolzer: Sie bestanden auf dem – wie sie es nennen – "Unternehmen Schloßbesichtigung", und sie behielten auch am zweiten Sonntag recht: Es kamen wieder Tausende.

Um fünfzehn Uhr war die Universitätsstraße verstopft von Pkw und Pilgerscharen. Um 15.30 Uhr begann Volker Kröning, Referendar und Planer für Rechtswissenschaften, schon die fünfte Führung durch die drei Stockwerke des Verwaltungshauses, und sein Planerkollege vom Fachbereich Sport begeisterte ungezählte Bremer Bürger mit der Mitteilung, daß die Universität ihr Schwimmbad, das erste Fünfzig-Meter-Bad Bremens, mit allen Sportvereinen und schwimmwilligen Bürgern teilen möchte.

Vor der Tür stand Bildungssenator Moritz Thape am SPD-Informationsstand, verteilte die Broschüre "Bremer Reformuniversität" – Bestseller unter den SPD-Wahlkampftraktaten – und fühlte sich aus Gründen demokratischer Korrektheit erst ganz behaglich, als auch die CDU mit zwei Stunden Verspätung am Ort erschien und Gegenpropaganda machte.

Am äußeren Bild vermochten die Christdemokraten und die FDP, die nur an der Hintertür agierte, allerdings nicht mehr viel zu ändern: Die Besucher zogen brav mit SPD-Tragetaschen ab, versorgt mit SPD-Broschüren und den Händedrücken Bremer Sozialdemokraten vom Senator bis zum Juso. Wäre es nicht richtiger, die Bremer Universität eine SPD-Hochschule zu nennen? Moritz Thape findet das zum Lachen: "Das ist doch zuwenig. Damit können sie die Leute doch nicht mehr erschrecken."