Nach dem Währungs-Gipfel von Washington beginnt das Tauziehen hinter den Kulissen

Von Dieter Piel

Der eine meint, es werde "schmerzhaft für alle Beteiligten". Der andere drohte mit einer "schmerzhaften Überprüfung" des eigenen Standpunktes. Der amerikanische Finanzminister John Connally und sein deutscher Kollege Karl Schiller sind sich jedenfalls darüber einig, daß die Währungspolitik der kommenden Wochen und Monate keinen Lustgewinn verspricht.

Schon auf der jüngsten Weltwährungskonferenz ahnten viele der Beteiligten, was ihnen jetzt bevorsteht. Gleichwohl verbreiteten sie Optimismus, wobei manchem Beobachter nicht ganz klar war, ob nun Selbstbetrug oder höhere Einsicht dieses gedämpfte Hochgefühl verursacht haben. Doch diesem Hochgefühl wird der Katzenjammer folgen:

  • Wenn die Amerikaner unter bestimmten Bedingungen einen wichtigen Teil des Nixonschen new deal – die zehnprozentige Einfuhrsondersteuer – bis zum Jahresende wieder aufgeben, werden sie sich spätestens dann eingestehen müssen, daß weder Protektionismus noch Dirigismus die Folgen einer verpfuschten Wirtschaftspolitik beheben können.
  • Die Japaner werden früher oder später eine deutliche Aufwertung ihres Yen akzeptieren müssen. Trotz vieler Bemühungen konnte es ihnen auch in Washington nicht gelingen, die Welt von der angeblichen Mißlichkeit ihrer Zahlungsbilanzsituation zu überzeugen.
  • Irgendwie werden sich die Franzosen aus der Ecke ihrer "selbstgewählten Isolation" – so ihr Staatspräsident Georges Pompidou – herauslavieren und flexiblere Wechselkurse samt einer leichten Franc-Aufwertung schlucken müssen, wenn sie nicht auf Dauer in dieser Ecke stehenbleiben wollen.
  • Um ernsthaften Schaden für ihre Industrieexporte zu vermeiden, werden die Hauptnutznießer des internationalen Handelsprotektionismus – vor allem Japan und die EWG-Agrarerzeuger – mehr Rücksicht auf den diskriminierten amerikanischen Handelspartner nehmen müssen.
  • Der Bundesrepublik wird es nicht erspart bleiben, von den internationalen Verpflichtungen der USA – vor allem auf dem Gebiet der Verteidigung – ein größeres Stück als bisher zu übernehmen.

Sieben Prozent sind genug

Einen anderen Beitrag hat die Bundesrepublik schon vorab und im Übersoll geleistet: Schiller und Bundesbank-Präsident Karl Klasen sind sich – auch sie stimmen zuweilen überein – darüber im klaren, daß der durch das "reine" Floating erzielte Aufwertungssatz der Mark "nicht mehr tragbar" (Schiller) und "unrealistisch" (Klasen) ist.