Das unternehmerische Interesse an der neuen Arbeitszeitregelung gab bald den Herstellern von Zeiterfassungsgeräten Aufwind. Denn individuelles Kommen und Gehen verlangte auch minuziöses Registrieren.

Als einer der ersten begriff der Stuttgarter Unternehmer Friedrich Tonne die Zeichen der Gleitzeit. Für seine damals 80 Mitarbeiter führte er 1969 die Gleitzeit ein – und offerierte mit seinen Erfahrungen gleichzeitig "PAK", das Personen-Anwesenheits-Kontrollgerät.

Andere Unternehmen der Branche folgten der aufklärerischen Arbeit zum eigenen Nutzen. Denn der Gleitzeitboom kam den Herstellern solcher Anlagen gerade recht: Die Stempeluhren, als "Knechtschaftsinstrument" der industriellen Arbeitswelt entlarvt, wurden allerorten demontiert. Werner Roth, Marketingleiter der Stechuhrenfabrik Benzing in Schwenningen, bekennt: "Wenn es bei uns die Gleitzeitaufträge nicht gäbe, hätten wir in einigen Bereichen eine Rezession."

So sperren sich denn auch mancherorts die Angestellten dagegen, daß die von den Arbeitern aus den Industriebetrieben vertriebenen Zeitstempler wie selbstverständlich Hand in Hand mit der gleitenden Arbeitszeit in die Unternehmen einziehen. Die DAG beklagt das Comeback der Zeitnehmer als einen Rückfall in die Methoden des Frühkapitalismus.

Ein "Zeichen der Undankbarkeit" sind die Stechuhren für die Kreativen der Werbeagentur J. W. Thompson: Sie wehrten sich erfolgreich gegen die Installation. Auch die Mitarbeiter in der Münchner Niederlassung der Neuen Heimat mochten sich nicht zur Nummer stempeln lassen und verhinderten die Aufstellung des Kontrollautomaten. Den gleichen Erfolg konnten die Angestellten des Piper-Verlags in München buchen: Der Auftrag für eine Stempeluhr wurde annulliert.

Geschickter ging dagegen das Bonner Verteidigungsministerium vor, das die Betroffenen zuerst fragte, wie sie’s denn gern hätten: Stempeluhr oder selbständig auszufüllende Zeitkarte. Überraschendes Ergebnis: klare Mehrheit für die Stempeluhr,

In vielen Unternehmen hat man inzwischen eigene Techniken entwickelt. Um auch den letzten Mitarbeiter vor die Uhr zu treiben, stempeln selbst die Bosse. So sieht man Bölkow-Hillert morgens ebenso sein Kärtchen in den Automaten stecken wie Gervais-Chef Franzjosef Höfler. Gleiches tun die Vorstandsmitglieder der Lufthansa und die Chefpharmazeuten beim Pillendreher Boehringer in Stuttgart Was dort gilt, ist für eigentlich alle Gleitzeitunternehmen bindend: Gestempelt wird ohne Ausnahme – vom Direktor bis zu seinem Fahrer.