Die Ostpolitik Willy-Brandts heißt auf französisch "Ostpolitik". Als wir Deutsche Leder oder andere Stoffe, die uns im Moment zu kostbar waren, durch Künstliches und Billigeres ersetzten, hieß dieser Ersatz auf französisch "Ersatz". Wenn einer keine Heimat hat, so kann er auf französisch von sich sagen, er sei "heimatlos"; ein trauriges Wort, das auch so klingt: traurig, zumal es ohne das "h" ausgesprochen wird.

Wir sehen, daß Worte, die im Originalzustand aus Deutschland nach Frankreich kommen und unverändert bleiben, sehr typische und sehr wichtige Ausdrücke sind. Es steckt das deutsche Schicksal in ihnen. Und gerade deshalb bleiben sie im Falle, daß andere sie sich einverleiben, so lange unverdaut.

Wenn wir bei unserer Auswahl bleiben, so stellen wir fest, daß zwei Bezeichnungen das Absonderliche verloren haben. Denn spätestens seit dem Ende des Krieges in Algerien gibt es heimatlose Franzosen, und wer Ersatz sagt, meint Kunststoffe, von denen er weiß, daß sie synthetisch, aber nicht verächtlich sind; im Gegenteil. Anders ist es um die Ostpolitik bestellt.

Wenn zwei dasselbe tun, ist es nicht dasselbe: Dies ist ein zugleich blöder wie Weiser, auf jeden Fall ein bekannter Satz. Nehmen wir an, die Franzosen pflegen Beziehungen zu den östlichen Staaten – und das ist leicht vorstellbar, denn sie haben es immer und meist mit großem Geschick getan –, so kann man dieser Tätigkeit verschiedene Namen geben, französische Bezeichnungen wohlverstanden. Nehmen wir aber an, die Deutschen pflegen Beziehungen zu den östlichen Staaten – und das haben sie immer und manchmal mit großem Ungeschick getan –, so heißt diese Tätigkeit auf französisch "Ostpolitik". Mit anderen Worten: Nur Deutsche betreiben Ostpolitik, Franzosen nie.

Solange sich die Franzosen noch nicht daran gewöhnt haben, betrachten sie also diese durch das Wort "Ostpolitik" bezeichnete Tätigkeit als etwas Unheimliches: als mindestens so etwas Unsicheres wie jene Stoffe, die einst mit "Ersatz", und jenen Zustand, der mit "heimatlos" benannt wurde. Wie sollen wir Deutsche uns hier verhalten? Fleißig Ostpolitik betreiben, damit die Franzosen sich so daran gewöhnen, wie sie sich an Ersatz und Heimatlosigkeit gewöhnt haben?

Es bleibt uns wohl nichts anderes übrig.

Aber damit ist es nicht getan.