Von Wolfgang Hoffmann

Bei den Sozialdemokraten steht der Name Alfred Nau für bares Geld. SPD-Schatzmeister Nau, dem in Finanzfragen geniale Züge nachgerühmt werden, hält die, Fäden der innerparteilichen Geldpolitik fest in der Hand. Kaum eine mit Ausgaben verbundene Entscheidung wird ohne Nau getroffen. Und soweit es die weitverzweigten Geschäftsverbindungen der SPD betrifft, ist Alfred Nau ein wandelndes Lexikon.

"Er hat alles im Kopf", sagen Nau-Mitarbeiter, und nicht selten wird die bange Frage gestellt: "Was wird nach ihm, denn da findet sich doch keiner zurecht." Obgleich alles andere als ein auf Gewinnmaximierung bedachter Kapitalist, sondern Genosse von altem sozialdemokratischem Schlag, kennt Alfred Nau in geschäftlichen Dingen keine Skrupel.

Als der "Kapitalist" und Verleger des Kölner Stadtanzeigers nach den studentischen Unruhen 1968 dem deutschen Pressezaren Springer den Druck einer Teilauflage seiner Massenzeitung "Bild" aufkündigte, sprang Alfred Nau hilfreich ein. Axel Cäsar Springer durfte auf der anderen Kölner Rheinseite, im SPD-eigenen Druckhaus Deutz, weiterdrucken. "Geld stinkt nicht", wenn Druckkapazitäten brachliegen.

Alfred Nau läßt sich in geschäftlichen Dingen nur ungern von politischen Maximen leiten, denn "wenn einem Betrieb bestimmte Auflagen gemacht werden, dann würde das jedes Unternehmen lähmen". Daß solche Überlegungen auch für das Parteiblatt "Vorwärts" und dessen Redaktion hätten gelten können, auf diese Idee kam Verleger, Manager und Schatzmeister Alfred Nau bis vor kurzem allerdings nicht. Denn daß der "Vorwärts" seit kurzem an "langer Leine" geführt erscheinen darf, ist ein Novum in der SPD-Nachkriegsgeschichte.

Sollte sich Alfred Nau um die Parteifinanzen Sorgen machen, so vermag er dies mehr als geschickt zu verbergen. In der Tat scheint die SPD finanziell die gesündeste aller Parteien zu sein. Ein Grund ist, daß die SPD eine straff gegliederte Mitgliederpartei ist. Nau: "Und das wird auch so bleiben. Es gilt, die Organisation noch weiter zu stärken. Wir sind bemüht, die Partei als Basis der politischen Operation zu festigen, indem wir auch das Eigenaufkommen der Mittel nach oben verändern."

Die SPD ist auf dem besten Weg dazu. Die Mitgliedsbeiträge der 828 000 Parteibuchgenossen steigen seit Jahren. 1969 kassierten die ehrenamtlichen Parteikassierer 20,6 Millionen Mark, im vergangenen Jahr 23,6 Millionen. Und es soll noch mehr werden. Auf dem • kommenden Parteitag in Bonn wird angestrebt, den untersten Beitrag von 1,50 auf zwei Mark anzuheben. In der Hälfte aller 44 SPD-Bezirke wird das bereits "als ob" praktiziert. Auch in den oberen Einkommensgruppen sollen neue Beitragssätze eingeführt werden – 50 Mark ab 3000 Mark monatlich, 75 Mark ab 4000 Mark. Bei einem Monatseinkommen von mehr als 5000 Mark soll der Beitrag 100 Mark im Monat betragen. Nau: "Ich bin sicher, der Parteitag wird das beschließen."