Duisburg

Wenn die Männer in der kleinen Sauerland-Gemeinde Oberhundem (Kreis Olpe) abends beim Skat im Wirtshaus sitzen, schimpfen sie noch immer Donner und Doria. Ein Mitbürger hat das Dorf ins Gerede gebracht. Er wollte sein ganz privates Geschäft mit der Wassernot machen. Inzwischen hat das Ordnungsamt in Duisburg den Handel gestoppt.

Der Bademeister im neuen Hallenbad in Oberhundem hatte als erster registriert, daß da etwas nicht stimmte. Nur mit Mühe bekam er das Schwimmbecken voll. In den Häusern oben am Berg träufelte das Wasser nur tropfenweise aus den Leitungen. Der Kunstschlosser Reinhold Schmelter, Vorsitzender des Wasserbeschaffungsverbandes Oberhundem: "Das war nicht unsere Schuld. Ich habe erst am späten Abend erfahren, daß der Mees das Wasser abgezapft hat. Wir sind dadurch ziemlich in Druck gekommen und mußten die Feuerreserve angreifen."

Josef Mees, deutscher Generalvertreter eines Schweizer Unternehmens für chemische Industriereinigungsmittel, füllte Wasser in seinem Keller in 2500 Fünfliter-Kanister ab. Dabei rechnete er sich ein gutes Geschäft aus: In Oberhundem kostet ein Kubikmeter Wasser – das sind tausend Liter – 40 Pfennige. Mees wollte es zum Literpreis von sieben Pfennig weiter nach Duisburg-Hamborn verkaufen.

Der 59 Jahre alte Generalvertreter: "Ich hatte geschäftlich bei den Verkehrsbetrieben in Duisburg zu tun. Dabei sprachen wir auch über den Wassernotstand in Hamborn." Der 60 000-Einwohner-Stadtteil im Norden von Duisburg wird von den Niederrheinischen Gas- und Wasserwerken nun schon seit Monaten mit einer übelriechenden braunen Brühe versorgt, die als Trinkwasser völlig ungeeignet ist. Die Hausfrauen kochen ihren Kaffee und Tee inzwischen mit Mineralwasser.

Josef Mees: "Und da sagten mir meine Gesprächspartner: ‚Liefern Sie uns doch Ihr gutes saarländisches Quellwasser.‘" Mees zierte sich zunächst ein wenig, überschlief dann aber die Angelegenheit, erkannte ein gutes Geschäft und holte sich in Duisburg die Genehmigung zum Verkauf des Trinkwassers. Ein Sprecher der Niederrheinischen Gas- und Wasserwerke: "An derartigen Angeboten sind wir stets interessiert, wenn das Wasser bakteriologisch einwandfrei ist." Mees weiter: "In Tankwagen konnte ich das Wasser nicht anfahren. Die Wasserwerke hatten mir gesagt, die Verteilung müsse ich selbst übernehmen."

Aber er fand auch dafür einen Partner – den Getränkegroßhändler Becker. Juniorchef Manfred Becker: "Der Vertrieb erfolgte über Lebensmittelgeschäfte, Drogerien und Zeitungskioske. Wir haben die Fünfliterkanister für 1,20 Mark verkauft. Die Leute rissen sie uns aus den Händen." Für die Kanister mußten noch einmal zwei Mark Pfand hinterlegt werden.