Darf ich fragen, ob wir mit dem Kuratorium am Ende sind?" Gelächter war die Antwort der Bonner Journalisten, als ihr Vorsitzender auf einer Pressekonferenz mit dieser doppeldeutigen Übergangsfrage den "Komplex Unteilbares Deutschland" beenden wollte. So hatte denn auch die erste Interviewfrage an den "Chef-Kurator" zu lauten:

"Ist Ihr Kuratorium, Herr Dr. Schütz, ein lebender Leichnam?"

Zahllose "deutsche Fragen", denen er sich im letzten Vierteljahrhundert stellen mußte, haben den Geschäftsführenden Vorsitzenden des Kuratoriums Unteilbares Deutschland so abgehärtet, daß er bei der Unterstellung, die ihm anvertraute Einrichtung habe sich überlebt, nicht einmal mit der Wimper zuckt, sondern sich Trost bei der Geschichte holt: "Von Anfang an, seit der Gründung im Jahre 1954, ist das Kuratorium eine Institution gewesen, die im Widerspruch zum allgemeinen Zeitgefühl und zur offiziellen Politik stand. Wir hatten immer die unpopuläre Aufgabe, die Realitäten beim Namen zu nennen und die zukünftige Entwicklung vorauszudenken."

"Soll das heißen, daß Ihr Kuratorium, was die Deutschlandpolitik angeht, stets der Zeit voraus war?"

Bei aller Bemühung, mit einer diplomatischer Untertreibung zu antworten, nimmt Wilhelm Wolfgang Schütz für sich und das Kuratorium in Anspruch, schon in den fünfziger Jahren gegenüber der einseitigen Betonung der Westpolitik eine gesamtdeutsche, den Osten einbeziehende Politik ins Blickfeld gerückt zu haben: "Es ist irrig, sich vorzustellen, daß wir in den fünfziger Jahren eine harmonische Außenpolitik hatten. Wir haben schon damals erklärt, daß zur Erreichung der deutschen Einheit neue Wege beschritten werden müßten. Der erste Präsident des Kuratoriums, Paul Löbe, war der erste westdeutsche Politiker, der – freilich vergeblich – Kontaktgeneigtheit gegenüber Ost-Berlin erkennen ließ. Später, etwa mit Beginn der sechziger Jahre, haben wir immer wieder auf eine Reform der Deutschlandpolitik gedrängt, was uns schon damals manche Kritik eingebracht hat."

"Nun betreibt die Bundesrepublik eine Deutschlandpolitik, die Ihren schon vor Jahr und Tag formulierten Zielvorstellungen entspricht. Aber jetzt wird das Kuratorium, wie jüngst im Zusammenhang mit der Präsidiumssitzung unter Beteiligung des Bundeskanzlers, erneut kritisiert, es betreibe eine Fortsetzung der Bonner Politik mit anderen Mitteln."

Diese Kritik komme, zum größeren Teil in konservativen Zirkeln Berlins und Münchens lokalisiert, von jenen Kräften, die der gegen-’ wärtigen Deutschlandpolitik vorwerfen, sie habe sich mit der Teilung Deutschlands abgefunden.