Ich habe der Bundesministerin Käte Strobel unrecht getan. Ich hatte in der vorigen Ausgabe der ZEIT an dieser Stelle einen Gesetzentwurf ihres Ministeriums moniert, der vorsieht, die bisher gültige Gleichstellung von Tabakerzeugnissen und Lebensmitteln im Lebensmittelgesetz aufzuheben. Dieser Gleichstellung wegen ist nämlich der Handel mit Zigaretten illegal, weil gesundheitsschädliche Stoffe, die Lebensmittel im Sinne des Gesetzes sind, weder hergestellt noch verkauft werden dürfen. Ich hatte Sorge, man wolle sich mit der angestrebten Neufassung des Gesetzes um die Pflicht herumdrücken, der Zigarettenindustrie auf die Finger zu sehen.

Doch hat das Gesundheitsministerium zugleich neue Paragraphen für das Gesetz vorgeschlagen, die den Staat ermächtigen, der Tabakindustrie allerlei Beschränkungen und Pflichten aufzuerlegen, zum Beispiel Werbeverbote oder das Anbringen von Warnhinweisen auf die Zigarettenpackungen. Just das, was ich für mindestens erforderlich, jedoch nach der beabsichtigten Gesetzesreform nicht mehr für ausführbar hielt, soll das Gesetz expressis verbis verlangen. Damit ist meine Kritik gegenstandslos geworden, und ich habe keinen Grund, daran zu zweifeln, daß es Frau Strobel mit ihrem Kampf gegen den Tabakmißbrauch ernst meint. Thomas v. Randow