Ein Fall-out-Produkt der Raumfahrt ist das neue Empfängnisverhütungsmittel, das von der amerikanischen Alza Corporation in Palo Alto (Kalifornien) entwickelt wird, ein Hormonpräparat, das, in den Uterus gebracht, nur dort wirksam wird und deshalb keine Nebeneffekte auf den übrigen Organismus hat.

Der wirksame Bestandteil des Präparats ist das natürliche weibliche Sexualhormon Progesteron, das bei Menstruation und Schwangerschaft eine regulierende Funktion ausübt. Es wirkt auf das Endometrium, eine dünne, die Innenwand des Uterus überziehende Schleimhaut, die die Aufgabe hat, ein befruchtetes Ei im Uterus festzuhalten, unbefruchtete Eizellen jedoch nicht aufzunehmen. Nachdem ein unbefruchtetes Ei den Uterus passiert hat, wird das Endometrium selbst abgestoßen; es verläßt die Gebärmutter als Menstrualblut, und ein neues Endometrium wächst wieder nach.

Das konzeptionsverhütende Mittel verändert im Uterus das Hormongleichgewicht mit dem Erfolg, daß sich im Endometrium auch ein befruchtetes Ei nicht einpflanzen kann. Jedoch wird die Ovulation, das Loslösen einer befruchtungsfähigen Zelle vom Eierstock, von dem in die Gebärmutter eingeführten Progesteron nicht beeinträchtigt. Das Mittel ist also nicht, wie die herkömmliche Antibabypille, ein Ovulationshemmer, sondern hat lediglich einen lokalen Effekt. Damit entfallen auch die bei der "Pille" manchmal beobachteten unerwünschten Nebenwirkungen auf andere Teile des Körpers.

Ein Problem war es, das neue Verhütungsmittel in solcher Form in den Uterus zu bringen, daß es über eine längere Zeit in stets der richtigen Dosis abgegeben wird. Gelöst haben es Flugingenieure der Raumfahrtindustrie, die sich besonders mit hydrodynamischen Aufgaben befaßt hatten. Das von ihnen entwickelte System ist so gestaltet, daß die intra-uterine Pille nur einmal im Jahr vom Arzt in die Gebärmutter gebracht zu werden braucht. Das Präparat ist im Uterus frei beweglich und hat deshalb nicht einen irritierenden Effekt, wie ihn häufig mechanische intra-uterine Mittel zur Schwangerschaftsverhütung haben.

Die klinische Erprobung der neuen kontrazeptiven Methode an tausend Frauen – US-Amerikanerinnen und Mexikanerinnen – hat schon begonnen. Doch wird es noch etwa drei Jahre dauern, bis das lokal wirkende Jahreszäpfchen registriert und zum Verkauf freigegeben werden kann. V. G.