Ein sozialpolitisches Experiment ist gescheitert. Seit Januar 1970 prämieren die gesetzlichen Krankenkassen jeden nicht benutzten Krankenschein mit zehn Mark. Nach dem Bericht, den die Versicherungen jetzt über ihre Erfahrungen mit diesem Novum vorlegten, wird der Bundestag nicht umhin können, die Krankenscheinprämie schnell wieder abzuschaffen.

Mit dieser Dokumentation haben jene Sozialpolitiker einen Denkzettel erhalten, deren Überlegungen zur Krankenkassenreform nicht über die Sentenz hinauskommen, daß vor allem Mißbrauch verhindert werden muß. Die Krankenschein-Prämie soll einen materiellen Anreiz geben, den Arzt nur zu konsultieren, wenn es wirklich notwendig ist. In der Tat war die Zahl der Behandlungsfälle zunächst rückläufig, stieg dann aber wieder um so stärker an; und das mit erhöhten Kosten, weil mit Rücksicht auf die Prämie Krankheit vielfach verschleppt und ihre Heilung darum teurer wurde.

Die Einführung der Krankenschein-Prämie war ein Fehlschlag, sowohl in finanzieller als auch gesundheitspolitischer Hinsicht. Und so bleibt denn wohl, wenn man die Mitglieder der gesetzlichen Krankenversicherung in die Mitverantwortung für ihre Gesundheit hineinnehmen will, als Schritt nach vorn nur die vielgeschmähte Selbstbeteiligung. In den Ersatzkassen wird sie bereits auf freiwilliger Basis praktiziert. Bisher ist nichts bekanntgeworden, was daran zweifeln läßt, daß diese Regelung – anders als die Krankenschein-Prämie – ihre Bewährungsprobe bestehen wird. kr