Die Anlageexperten der Kreditinstitute sind sich ziemlich einig: Mit einer Tendenzwende hat der Anstieg der deutschen Aktienkurse an der Monatswende noch nichts zu tun. Deshalb bleibt bei dem Erwerb von Aktien weiterhin Vorsicht geboten. Pessimisten raten sogar, in die steigenden Kurse hineinzuverkaufen. Sie meinen, daß die freundliche Tendenz nur ein Stimmungs-"Zwischenhoch" darstellt, das sich im Zusammenhang mit der Aussicht auf einen gewissen Wandel in der deutschen Konjunkturpolitik eingestellt hat. "Sie sollten daher Neuanlagen zunächst als kurzfristige Engagements betrachten und bei steigenden Kursen weniger aussichtsreiche Titel abbauen", rät der Hanseatische Börsendienst seinen Lesern.

Einig sind die Anlageexperten sich ebenfalls in der Beurteilung des Rentenmarktes: Hier werden die Kurse am Jahresschluß über den heutigen liegen. Daraus ergibt sich, meine verehrten Leser, daß es wenig sinnvoll ist, mit den Dispositionen zum prämienbegünstigten Sparen bis zum Jahresende zu warten. Abgesehen davon, daß die Kreditinstitute in den letzten Tagen eines jeden Jahres mit Prämiensparanträgen überhäuft werden und ihre Mitarbeiter dann hinsichtlich die Kundenberatung überfordert sind.

In diesem Herbst erscheinen mir die festverzinslichen Papiere für das prämienbegünstigte Wertpapiersparen (gegebenenfalls in Kombination mit dem 624-Märk-Gesetz) am vorteilhaftesten. Ohne Berücksichtigung der Prämien sichert sich der Sparer hier eine Verzinsung des angelegten Geldes von etwas über acht Prozent. Sie stellt zusammen mit den staatlichen Prämien sicher, daß der Kaufkraftschwund der Mark nicht an der Substanz zehrt, sondern im Zinsenbereich aufgefangen wird.

Natürlich haben auch Anleihen und Pfandbriefe mit einer Nominalverzinsung von acht Prozent noch ein Kursrisiko. Niemand kann übersehen, wie die Rentenkurse in sechs Jahren stehen werden, wenn die Verkaufssperre für die im Rahmen des Prämiensparens angelegten Effekten abgelaufen ist.

Wer nicht sicher ist, dieses Kursrisiko eingehen zu können, sollte sich für die Bundesschatzbriefe (oder Sparbriefe der Kreditinstitute) interessieren. Ich empfehle Ihnen, einen genauen Vergleich der Konditionen der Bundesschatzbriefe mit denen der Sparbriefe. Nicht alle Sparbriefe sind so gut wie die Bundesschatzbriefe.

Um die wiederkehrende Frage vorwegzunehmen: Rentenkauf ist Maßschneiderei. Welche Papiere jeweils erworben werden sollen, hängt im wesentlichen von der steuerlichen Situation des Betreffenden ab. Wer die Zinsen seiner festverzinslichen Wertpapiere nicht zu versteuern braucht, ist mit den jetzt aufgelegten achtprozentigen Anleihen am besten bedient. Wer dagegen Zinsen aus Kapitalvermögen in seiner Einkommensteuererklärung vermerken muß, tut gut daran, sich um Papiere mit niedrigerem Nominalzins und daher auch niedrigeren Kursen zu kümmern, weil die Differenz zwischen dem Einstandskurs und dem späteren Tilgungs- oder höheren Verkaufskurs steuerfrei bleibt. Lassen Sie sich in dieser Hinsicht von ihrem Kreditinstitut beraten.

Ich erinnere daran, daß Emissionen ausländischer Emittenten weder zum Sparen mit dem 624-Mark-Gesetz noch zum prämienbegünstigten Wertpapiersparen zugelassen sind. Aber auch wer "frei" sein Geld in diesen Wochen anzulegen gedenkt, sollte von den auf Mark lautenden Auslandsanleihen weitgehend seine Finger lassen. Hier tummeln sich zur Zeit die Ausländer, die versuchen, aus dem Dollar herauszukommen und in der Mark Unterschlupf zu finden, bis das internationale Währungsproblem gelöst ist. Der Zugang zu den Inlandsanleihen ist dem "Gebietsfremden" durch eine 30prozentige Kuponsteuer erschwert, die sie auf die Zinsen inländischer Renten zu zahlen haben.