Man sollte die Museen in die Luft sprengen. Längst ehe solche Aussprüche modisch wurden, hat das Paul Flora einmal gesagt.

Daraus sprach wohl kaum eine Vorliebe für Sprengstoffattentate, wie sie bei einem Tiroler von Floras Dimensionen vielleicht naheläge. Daraus sprach auch gewiß nicht Aggressionstrieb, wie er einem Österreicher von Floras ironischer Humanität gewiß fernläge.

Der Satz war "nur symbolisch", aber dennoch ganz ernst gemeint. Lebende Künstler müssen sich oft von dem, was Kunsthistorikern die Lust an der Tradition ist, als von einer Last der Tradition bedrückt fühlen. Sie brauchen Luft, um selber arbeiten zu können: Weg mit der Mona Lisa!

Aber Professor Paul Flora hat das Recht der Lebenden auf ihre eigene, auf eine moderne Kunst nie zu einer Ideologie des avantgardistischen Fortschritts emporstilisiert. "Mir kommt es hauptsächlich darauf an, möglichst gute Zeichnungen zu machen, mich bei der Arbeit an diesen zu amüsieren und dafür womöglich noch bezahlt zu werden", schreibt er im Vorwort zu seinem eben erschienenen Band "Als der Großvater auf die Großmutter schoß", "fortschrittlich bin ich leider nicht. Das fällt mir um so leichter, als nicht einmal die fortschrittlichen Menschen fortschrittlich sind, dies aber sorgfältig verbergen."

Manches, was Lebende machen, erscheint ihm wenig machenswert. Modern im Sinne von modisch ist für ihn keine Kategorie. Als origineller Macher mißtraut er dem als Nonkonformismus sich gebärdenden Antikonformismus, der sich so oft darauf beschränkt, die Erfolgsmodelle von gestern um 180 Grad verdreht zu reproduzieren und das dann "Veränderung" zu nennen.

Viele von uns ZEIT-Schreibern teilen den Wunsch: wenn wir so zeichnen könnten wie Flora, möchten wir so zeichnen wie Flora. Und die leider allzu wenigen Male, die es uns gelang, Flora zum Schreiben zu bewegen, schrieb er wie ein ZEIT-Autor.

"Er mag nicht Lasieren und er weiß, warum, und wer’s nicht merkt, hat eh keine Ahnung" – soviel von Horst Janssen zum Thema Flora.