Teurer und schwieriger in der Durchführung als vom Gesetzgeber angenommen wurden für die Unternehmen die seit 1. Januar 1970 voll von ihnen zu tragende Lohnfortzahlung für die Arbeiter. Das jedenfalls behauptet die Bundesvereinigung der deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) auf Grund einer Auswertung "betrieblicher und verbandlicher Erfahrungen".

Die Krankenstände in den Betrieben seien gestiegen, die Begutachtung von Arbeitsunfähigkeit durch den vertrauensärztlichen Dienst – also die Kontrolle – jedoch zurückgegangen. Häufig erfolge die von den Krankenkassen veranlaßte Erst-Begutachtung einer Arbeitsunfähigkeit erst nach Ablauf der sechsten Woche, wenn die Verpflichtung der Betriebe zur Lohnfortzahlung erloschen sei und die Krankengeldzahlung der Kassen beginne.

Der "Informationsfluß" von den Krankenkassen zu den Arbeitgebern sei vielfach unzureichend. Dagegen legten die Arbeitnehmer nach Angaben der Betriebe ihre vom Arzt ausgestellte Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung meist pünktlich vor.

Der größte Teil der Arbeitgeber-Beschwerden richtet sich auf die mangelhafte Zusammenarbeit von Krankenkassen, Ärzten und vertrauensärztlichem Dienst mit den Betrieben. Die Unternehmer wollen auch festgestellt haben, daß die Ärzte unterschiedslos bei jeder Erkrankung sofort für eine ganze Woche "A. U." schreiben.

Hauptbeschwerde jedoch ist, daß der Kostenmehraufwand durch das Gesetz 1970 rund 6,67 Milliarden Mark betragen habe – rund 2,5 Milliarden Mark mehr, als von der großen Koalition seinerzeit vorausgeschätzt. Als Hauptfaktor dafür nennt die BDA, daß der durchschnittliche Beitragssitz in der Krankenversicherung nicht – wie damals erwartet – auf 7,6 Prozent, sondern nur auf 8,19 Prozent zurückgegangen sei.

Dazu ist von den Krankenkassen-Verbänden zu hören, daß Politiker und So-, zialpartner die Kostensteigerung im Gesundheitssektor nicht genügend "realistisch" eingeschätzt hätten – im Gegensatz zu den Krankenkassen und Fachleuten. Zu den Faktorei gehörten nicht nur materielle Verteuerungen, sondern auch ein immer noch steigendes "Gesundheits-Bewußtsein" der Arbeitnehmer.

Für die häufigeren Krankmeldungen haben die Krankenkassen eine einfache Erklärung: Bei flauer Konjunktur oder Rezession liegen sie niedrig, bei ansteigender Konjunktur oder im Boom gibtes hohe Werte. Dementsprechend sei es ganz einleuchtend, daß der durchschnittliche Krankenstand seit 1967 ständig gestiegen sei – von 4,90 Prozent auf 5,72 Prozent 1970.