Am 25. September kam es in Bonn zu einer deutschen, wenn nicht europäischen Erstaufführung. Im Theatersaal des Rheinischen Landesmuseums präsentierte das Theater der Stadt Bonn "Die Überquerung des Niagara-Falls" des Peruaners Alfonso Alegria. Alegria ist nach eigenen Angaben Theaterdirektor, Regisseur, Dozent für Theaterwissenschaft, Lehrbeauftragter für spanische und lateinamerikanische Literatur in Texas sowie zweiter Tenor in einem Laienchor. Theaterstücke schreiben gelernt hat er an der "Yale University School of Drama". Nach Besichtigung des Stücks kann die Drama-Schule nicht empfohlen werden.

Das Werk eignet sich hervorragend zur Verwendung an Abiturientenklassen, welche die Kunst der Textdeutung zu erlernen gehalten sind, Der Stupidität solcher Bemühung entspricht die Stupidität des Textes. Das Stück, kurz gesagt; läuft mit heftiger Metaphorik auf die schöne Meinung hinaus, vereint könnten Arbeiter und Intellektuelle auf dem dünnen Drahtseil der Möglichkeit bis zur Sonne gelangen. Daraufhin hat das Stück 1969 einen Preis von der Republik Cuba bekommen. Passieren tut im 2-Personen-Stück nichts, was nicht geistig wäre. Der Inszenierung von Bohus Z. Ravik gelingt es durch eine quasi-expressionistische Regie mit viel Händefuchteln, Augenverdrehen und Stimmengewalt die Schwächen des Stücks ausreichend deutlich zu machen.

In einem Interview sagte der Autor, daß er nach dreijähriger Beschäftigung mit dem Stück davon genug habe. Wenn wir diese Metapher richtig verstehen, ist das schon wieder ein Hinweis. Der Text, den Suhrkamp (nobody’s perfect) gekauft hat, sei einem bürgerlichen Lesepublikum als Kreuzworträtsel ans Herz gelegt.

Werner Dolph