Die DDR hat einen Fürsprecher mehr: den amerikanischen Negerführer Ralph Abernathy. Er zählt nicht zu den Mächtigen dieser Welt, aber sein Ruf als Kämpfer gegen Ungerechtigkeit und Rassendiskriminierung gibt seinen Worten besonderes Gewicht. Zum Abschluß eines dreitätigen Besuches im anderen Deutschland sagte der Nachfolger Martin Luther Kings: "Ich habe hier keine hungernden Menschen gefunden und keine Superreichen, sondern Menschen, die sich der großen Segnungen dieses Landes erfreuen."

Nun, zu hungern braucht in der DDR niemand. Aber der Mensch lebt nicht vom Brot allein. Ralph Abernathy, der Streiter für Würde und Freiheit seiner schwarzen Brüder, müßte es eigentlich wissen. Hat er die Mauer und die Minenfelder übersehen – und die geistige Not all jener, die das kommunistische Regime unterdrückt?

Offenbar. Wie sonst könnte er "als Pfarrer und Theologe" behaupten, "daß in der DDR das verkörpert ist, wonach wir in der Welt streben"? Wie sonst könnte er sagen, schon nach ein paar Stunden in West-Berlin hätte er "Heimweh nach der Deutschen Demokratischen Republik" verspürt?

Wahrscheinlich lernte der Negerpastor während seines kurzen DDR-Aufenthaltes nur das kennen, was Besuchern im Osten schon immer gern offeriert wurde: nicht die Wirklichkeit, sondern deren Potemkinsche Fassade. Ein Mann mit Urteilsvermögen hätte den Unterschied erkannt.

Bu.