Feuilleton

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DIE ZEIT

Dünne Haut

Conrad Ahlers hat sich wieder einmal den Mund verbrannt. Der Regierungssprecher sagt gern mehr, als er soll. Diesmal gab er auf eine hypothetische Frage im Zusammenhang mit der Ratifizierung der Ostverträge die hypothetische Antwort, eher als eine neue Große Koalition sei die Vertrauensfrage des Bundeskanzlers zu erwarten.

Falschspiel

Die von der CDU und CSU regierten Länder haben nun schon zum zweitenmal im Bundesrat die Mietrechtsreform der Regierung torpediert.

Richtung 1973

Es ist eine Legende, daß die CDU auf ihrem Parteitag in Saarbrücken einen neuen Parteiführer gewählt hätte. Es gibt zwar einen neuen Vorsitzenden namens Rainer Barzel, aber seine Wahl war im Grunde bloß die Bekräftigung, der Tatsache, daß er als Oppositionsführer im Parlament politisch schon bisher der erste und wichtigste Mann der Partei war.

Ohne Schaum

Die deutsch-deutschen Verhandlungen zur Ausfüllung des Viermächteabkommens über Berlin sind über die erste Hürde. Der Sprachenstreit ist in der Sache überstanden.

Ein Denkmal stürzt sich selbst

Zum zweitenmal in diesem Jahr grast die Publizistik auf der Weide des Bundesnachrichtendienstes. Das erstemal waren es die Spiegel-Autoren Hermann Zolling und Heinz.

ZEITSPIEGEL

Rund 300 Setzer und Drucker des Axel Springer Verlages, so berichtete ihr Verleger, haben kugelsichere Scheiben für ihre Arbeitsräume in der Nähe der Berliner Mauer gefordert.

Eingesperrt hinter dem Gitter der Würde

Früher, so erzählt man sich halb im Scherz, sei der erhabene Körper des japanischen Kaisers so heilig gewesen, daß selbst dem Hofschneidermeister verboten war, direkt daran Maß zu nehmen.

Barzel: Gefragt war ein Kämpfer

Rainer Barzel hatte sich auf seinen Auftritt vor dem Bundesparteitag der CDU in Saarbrücken sorgfältig vorbereitet und seine Rollen perfekt gespielt.

Die Wahl in Bremen:: Klein, aber fein

Vielleicht ärgert sich Hans Koschnick, Bremens Regierungschef. Käme der Kaiser von Japan eher, könnte er via Fernsehen doch noch ein paar unschlüssige Wähler gewinnen.

Heimweh nach der DDR

Die DDR hat einen Fürsprecher mehr: den amerikanischen Negerführer Ralph Abernathy. Er zählt nicht zu den Mächtigen dieser Welt, aber sein Ruf als Kämpfer gegen Ungerechtigkeit und Rassendiskriminierung gibt seinen Worten besonderes Gewicht.

Wieder Hoffnung auf Weihnachten

Gibt es eine Besuchsregelung schon zu Weihnachten? Diese Frage stellten sich die West-Berliner jetzt wahrscheinlich zum letztenmal.

Notgroschen für die Umwelt

Die Bonner Regierung hat die Alarmzeichen nicht übersehen. Mit einem Paket von Maßnahmen will sie verhindern, daß die Bundesbürger im Dreck ersticken.

Ordnung im eigenen Haus

Der politische Zweck muß nicht immer die parteipolitischen Mittel heiligen. Gemäß dieser lobenswerten Maxime handelte in der vergangenen Woche die Schiedskommission des sozialdemokratischen Unterbezirks Recklinghausen, als sie den ehemaligen Gladbecker SPD-Oberbürgermeister, Günter Kalinowski, aus der Partei ausschloß.

Gebete im Exil

Behutsam wie ein Krankenpfleger nahm der Papst den erschöpften fast Achzigjährigen an die Hand und führte ihn aus der Sixtinischen Kapelle.

Wolfgang Ebert:: Schreibtischtäter

von den "Schreibtischtätern" hatte bei uns daheim unerwartete Folgen. Das vom Kanzler angesprochene Möbelstück wurde nämlich auf Betreiben Margots, die immer argwöhnt, ich täte zu wenig bzw.

Das Geschäft mit dem Wasser

Wenn die Männer in der kleinen Sauerland-Gemeinde Oberhundem (Kreis Olpe) abends beim Skat im Wirtshaus sitzen, schimpfen sie noch immer Donner und Doria.

Der innerdeutsche Dialog geht weiter

Die West-Berliner hoffen auf eine Besucherregelung zum Jahresende in Ost-Berlin. Nach der 11. Verhandlungsrunde zwischen Senatsdirektor Ulrich Müller und DDR-Außenamts-Staatssekretär Günter Kohrt in Ost-Berlin haben sich die Erwartungen auf eine Einigung über Weihnachtsbesuche verstärkt.

Labour gegen EWG-Beitritt

Mit großer Mehrheit hat die britische Labour Party, wie erwartet, einen Beitritt Goßbritanniens zur EWG unter den von den Konservativen ausgehandelten Bedingungen abgelehnt.

London nennt Überläufer

Das Geheimnis um den Londoner KGB-Überläufer ist gelüftet: Es ist der 34 jährige Oleg Lyalin, ein Mitglied der sowjetischen Handelsdelegation ohne diplomatischen Status.

Krisenherde der Woche

Der südvietnamesische Präsident Nguyen van Thieu ist für weitere vier Jahre in seinem Amt bestätigt worden: 91,51 Prozent der abgegebenen Stimmen entfielen auf den einzigen Kandidaten Thieu.

Klarer Sieg für Barzel

Die CDU hat einen neuen Vorsitzenden: Rainer Barzel, 47jähriger CDU/CSU-Fraktionsführer im Bundestag, wurde mit 344 Stimmen in das höchste Parteiamt gewählt.

Franco denkt nicht an seinen Abgang

General Franco trat allen Spekulationen über seinen baldigen Rücktritt entgegen. "Ich möchte Euch versichern, daß ich weiterhin an der Spitze des Staates bleiben werde, solange wie mir Gott Leben und gesundes Urteil gibt", erklärte er am 1.

Dokumente der ZEIT

"Beide Seiten äußerten sich besorgt über die ernste Situation, die auf dem indischen Subkontinent infolge der jüngsten Ereignisse in Ostbengalen entstanden ist, und äußerten ihre Entschlossenheit, die Anstrengungen in Richtung auf eine Einhaltung des Friedens in diesem Gebiet fortzusetzen.

Neue Rätsel um Mao

Das Rätselraten um Mao Tse-tung dauert an. Nachdem die traditionelle Parade zum 22. Nationalfeiertag am 1. Oktober kurzfristig abgesagt worden war, ließ sich Mao auch bei den Feiern in Peking nicht sehen – zum erstenmal seit 1949.

Kunstkalender

Seit 1966 arbeitet der Kistenbrett-Plastiker Hüppi auch mit Papier. Wesentliches Element dabei sind Kniff- und Knitter-Strukturen.

DIE NEUE SCHALLPLATTE

"Parsifal" ohne kultisches Pathos, sozusagen auf Nüchternheit poliert, säkularisiert, aber trotzdem in Originalgröße. Was Knappertsbusch gänzlich mit trägem Weihrauch verhüllt hatte, zeigt Boulez wieder offen vor.

Auf hohem Seil zwischen CDU und DKP

Vater und Mutter, ihre beiden Kinder, die Oma und der Opa blieben vor der Mensa der Bremer Universität stehen. "Und das", sagte die Mutter, "ist die Uni-Gaststätte.

Neue Wege der Sonderschulpädagogik

Was wollen Sie hier?" will Martina wissen. Als ich ihr sage, ich wolle beim Unterricht zuschauen, blickt sie mich mit ausdruckslosen Augen an: "Aha.

ZEITMOSAIK

In Anbetracht der 315 000 registrierten Heroinsüchtigen lassen die USA nichts unversucht, um fundamentale Antworten zu Drogenwirkungen zu erhalten.

FILMTIPS

Im Fernsehen: "Streik" (Rußland 1925), von Sergej Eisenstein (ZDF am 12. Oktober), ist noch stark geprägt von den Ideen, die der Regisseur im Proletkult-Theater entwickelt hatte und die erst im "Panzerkreuzer Potemkin" (im gleichen Jahr) ganz ins Filmische aufgelöst werden.

Formeln der Überredung

Die zunehmende Masse der Filme läßt kaum noch Gliederungen zu; Tendenzen, Stilrichtungen müssen schon sehr kräftig sein, um einen dominanten Ton zu geben.

Hier irrt Moravia...

zu stehen. Als geborener Präzeptor hat Alberto Moravia auch die Porno-Welle erfaßt (im doppelten Sinn: begriffen und sogleich ergriffen) und ist, im Unterschied zu anderen, nicht einfach von ihr erfaßt worden.

Laborbericht aus dem Alltag

Das Buch hätte es verdient, ein Bestseller zu werden, und wenn alle es gelesen hätten, die es persönlich angeht, so wäre es auch ein unübertroffener Bestseller geworden.

Zierliche Sprachorgien

Gleich im ersten Kapitel schleicht Messalina, Kaiserin von Rom und Gattin des göttlichen Claudius, durch die stille Nacht ins Bordell, um dort Leistungen zu vollbringen, die alles Bisherige in den Schatten stellen.

KRITIK IN KÜRZE

"Christian-Morgenstern-Gedenkausgabe", ausgewählt und eingeleitet von Rudolf Eppelsheimer. Wenn es nach Eppelsheimer und dem anthroposophischen Urachhaus-Verlag ginge, dann rangierte Morgenstern gleich hinter Meister Eckhart und Jakob Böhme.

Er humpelt eigene Wege

Zu Recht, meine ich, hat man im Westen Einwände parat, wenn heute in der Sowjetunion die Zensur eingreift: Werke der Autoren aus politischen, weltanschaulichen, moralischen Gründen verändert oder gar die Veröffentlichung verhindert.

Dichtung fürs Auge

Jiří Kolář wurde durch seine dem lesenden wie dem anblickenden Auge zugedachten Texte in der Zeit des tschechischen "Tauwetters" weithin bekannt.

Alegrias "Niagara-Fall": Genug davon

Am 25. September kam es in Bonn zu einer deutschen, wenn nicht europäischen Erstaufführung. Im Theatersaal des Rheinischen Landesmuseums präsentierte das Theater der Stadt Bonn "Die Überquerung des Niagara-Falls" des Peruaners Alfonso Alegria.

Fernsehen: Leben und Tod

Zur Erinnerung: Vor einigen Monaten, am 10. Juni, zeigte das ZDF einen Film über die Praktiken desLondoner St. Christopher’s Hospitals, eines Krankenhauses, das moribunde Patienten nicht aufnimmt, damit sie genesen (dafür ist es im Fall der Kranken zu spät), sondern um ihnen die Möglichkeit zu geben, als Menschen zu sterben statt wie ein Vieh zu krepieren.

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