• Vietnam

Der südvietnamesische Präsident Nguyen van Thieu ist für weitere vier Jahre in seinem Amt bestätigt worden: 91,51 Prozent der abgegebenen Stimmen entfielen auf den einzigen Kandidaten Thieu. 87,7 Prozent der insgesamt sieben Millionen Wahlberechtigten, von denen 1,1 Millionen Soldaten und weitere 1,5 Millionen Staatsbedienstete sind, gingen zur Wahl, deren Korrektheit sofort und nicht nur von politischen Gegnern des Präsidenten angezweifelt wurde. Der technische Wahlablauf in den 13 000 Dörfern und Städten bot außer dem Fernbleiben keine Möglichkeit, mit Nein zu stimmen. So liefen denn auch noch während der Wahl Berichte über schwere Unregelmäßigkeiten ein. Der Präsident stoppte die Bekanntgabe von Einzelergebnissen, als diese auffallend oft "100 Prozent" meldeten,

Thieu hatte angekündigt, er werde zurücktreten, wenn er nicht mehr als 50 Prozent erhalte. Das Ergebnis hat in Saigon nicht überrascht, wohl aber die hohe Wahlbeteiligung. Noch am Wochenende war es in mehreren großen Städten zu bürgerkriegsähnlichen Auseinandersetzungen gekommen. Die südvietnamesische Polizei hatte dabei regen Gebrauch von ihrer Erlaubnis gemacht, auf Demonstranten zu schießen.

  • Pakistan

Moskau ist weiterhin bemüht, einen kriegerischen Konflikt zwischen Indien und Pakistan zu vermeiden und gleichzeitig die Annäherung Pakistans an die Volksrepublik China zu verhindern. Zu diesem Zweck geht die Sowjetunion von einer Einheit der beiden pakistanischen Landesteile aus. Wie das Kommunique nach dem Moskauer Besuch der indischen Ministerpräsidentin Indira Gandhi zeigt (siehe auch Dokumente der ZEIT), hat sich die sowjetische Führung der Ansicht Neu-Delhis nicht angeschlossen, die Zustände in Ostbengalen verlangten ein aktives Eingreifen.

Die Zahl der Flüchtlinge ist weiter gestiegen. und hat 9 Millionen übershritten. Von den Versorgungsschwierigkeiten sind besonders Kinder bis zu acht Jahren betroffen. Wenigstens 300 000 leiden an Unterernährung, die sie besonders anfällig für Infektionskrankheiten macht.

Die Kämpfe an der indisch-ostpakistanischen Grenze dauern an. Radio Rawalpindi behauptet in seinen ständigen Erfolgsmeldungen regelmäßig, die Bangla-Desh-Kämpfer würden von indischen Truppen unterstützt.