Wenn alles Eis der Erde schmelzen würde, so spekulieren Forscher und Science-Fiction-Schreiber seit geraumer Zeit, dann müßte ein Großteil der Menschheit baden gehen: Rund 70 Meter hoch stiege nach der Berechnung von Experten der Wasserspiegel der Weltmeere. Von New York blieben nach solch einer Sintflut nur wenige Klippen weit vor der Küste übrig.

Seriöse Wissenschaftler verwiesen freilich schon immer auf die immensen Zeiträume, in denen sich derartige Klimakatastrophen abspielen müßten. Außerdem würde wohl kaum alles Eis der Pol-Kappen verschwinden – und dann nicht auf einen Schlag.

Dennoch schließen die Gelehrten einen weltweiten Klimawechsel in naher Zukunft nicht aus. So berichtete der amerikanische Professor Caroll Wilson unlängst im Haus der Vereinten Nationen in New York von Forschungsergebnissen, die eine Gruppe von 30 Umweltexperten aus 14 Nationen im Auftrag der UN erarbeitete-

Die Studie berichtet von den wahrscheinlichen Auswirkungen der Luftverschmutzungen auf die arktische Eiskappe. Zwar gebe es, wie Studien-Mitarbeiter Wilson betonte, keine Anzeichen für einen katastrophalen Anstieg des Meeresspiegels. Gleichzeitig aber müsse mit dem Schmelzen des dünneren Polareises gerechnet werden, da die zunehmende Verunreinigung der Luft – hauptsächlich eine Folge des starken Verbrauchs fossiler Brennstoffe wie Kohle und Erdöl – einen stetigen Temperaturanstieg in der Arktis mit sich bringt.

Eine zurückweichende Packeisgrenze jedoch, so Wilson weiter, könne eine Umleitung des Golfstroms mit sich bringen: Die "Zentralheizung Europas" würde nicht länger an die Küsten der Alten Welt abgelenkt, sondern direkt in das Polarmeer strömen. Die Forscher glauben, daß eine so einschneidende Veränderung innerhalb des nächsten Jahrhunderts stattfinden kann.

Der Klimareport wurde für die UN-Konferenz über die menschliche Umwelt erstellt. Sein Titel: "Inadvertent Climate Modification", zu deutsch "Unbeabsichtigte Klimaveränderungen".

G. H.