Neu in Museen und Galerien:

Essen Bis zum 17. Oktober, Museum Folkwang: "Afonso Hüppi: Falt- und Knautschbilder"

Seit 1966 arbeitet der Kistenbrett-Plastiker Hüppi auch mit Papier. Wesentliches Element dabei sind Kniff- und Knitter-Strukturen. Hauchdünnes "Bibelpapier" wird zusammengefaltet nach Haushaltwaren-Vorbild. Nur um vieles kleiner. Wieder auseinandergefaltet, trägt Hüppi dann in die nun vorgegebenen Faltstrukturen geometrisch-abstrakte und doch recht organisch anmutende Muster ein. Weiß, helles Blau und tiefes Schwarz herrschen dabei vor. In handlichen Glaskästchen à la Arman hat Hüppi zerknautschtes Papier zu plastischen Ereignissen arrangiert. Attraktivste Stücke der Ausstellung sind zuerst bemalte und dann zusammengeballte Papierkugeln in Plastiktüten: Hüppis Pendants zu den herkömmlichen Graphikmappen. Erst entrollt und glattgestrichen – also "begriffen" – kann sich der Rezipient nun mit diesen Blättern als nahezu gewohnten Kunst-Objekten auseinandersetzen. Wobei die Knautsch-Strukturen als plastische Ergebnisse immer im Vordergrund verbleiben.

Klaus U. Reinke

Köln Bis zum 31. Mai 1972, Wallraf-Richartz-Museum: "Hurra!? Vom Unsinn des Krieges"

Seit drei Jahren macht das Wallraf-Richartz-Museum Jugendausstellungen. Kunst wird unter einem thematischen Aspekt präsentiert, es fing an mit dem "Kind in der europäischen Malerei" und "Tierdarstellung in der bildenden Kunst". Mit solchen Themen ist die Schwellenangst der Jugend vor dem Museum allerdings kaum zu überwinden. Beim sechsten Versuch haben die Kölner endlich ein richtiges Thema gepackt. Dargestellt ist der Krieg, die neueste Kölner Erwerbung, das überdimensionale Environment von Kienholz, "Das tragbare Kriegerdenkmal", gab den Anlaß, das Thema aufzurollen, es in die Vergangenheit zu verlängern. Das Kienholz-Denkmal ist 1968 entstanden, es war in San Franzisko, Stockholm, Amsterdam, Paris, Düsseldorf, Zürich und London ausgestellt, bevor es in die Sammlung Ludwig und nach Köln gelangte. Ein schreckliches, brutales Werk, das den Betrachter total okkupiert, Kienholz hat das Marinesoldatendenkmal auf dem Ehrenfriedhof von Arlington als Modell genommen, neben den Soldaten die nationalen Propagandaklischees, "Uncle Sam" aus dem Ersten Weltkrieg, Kate Smith singt "Gott segne Amerika", auf der andern Seite die amerikanische Imbißstube, der Coca-Cola-Automat, die gemütlichen Gartenstühle, eine Wanduhr, ein weißer Grabstein. Keine Diskriminierung der Gefallenen, erklärte Kienholz, "Ich trauere ehrlich um alle Männer, die dem Unsinn eines Krieges zum Opfer gefallen sind". In der Ausstellung sind sämtliche Details dieses Denkmals gewissenhaft und eindrucksvoll dokumentiert. Um dieses antimilitaristische Hauptstück ist alles gruppiert, was die Kölner Museen zum Thema beizutragen haben. Sogar Dürer ist dabei, mit dem einzigen Blatt, das man eindeutig für sein Engagement zitieren kann, dem Entwurf einer Gedenksäule für die erschlagenen Bauern, (die schon die Idee einer Materialcollage vorwegnimmt); die "Schrecken des Krieges" von Callot und, 150 Jahre später, von Goya; der "Verwundete Soldaten" von Géricault; Blätter von Max Klinger und der Kollwitz, von Barlach, Dix bis zu Lichtenstein, Robert Morris, Canogar. Das Material ist bewußt einseitig ausgewählt, die vielen künstlerischen Glorifikationen des Krieges wurden beiseitegelassen. Nur daß man auch noch alte Waffen, Schwerter, Morgensterne, Partisanen in kostbaren Originalen in die Ausstellung aufgenommen hat, ist ebenso überflüssig wie das photographische Material, das die Kriegsgreuel dokumentiert. Es würde völlig genügen, sich auf die Zeugnisse der Künstler zu beschränken.

Gottfried Sello