Mit großer Mehrheit hat die britische Labour Party, wie erwartet, einen Beitritt Goßbritanniens zur EWG unter den von den Konservativen ausgehandelten Bedingungen abgelehnt. Auf dem Jahreskongreß in Brighton sprachen sich am Montag die Delegierten der Oppositionspartei mit 5,073 zu 1,032 Millionen der von ihnen vertretenen Stimmen gegen den Beitritt aus und forderten die Abgeordneten auf, am 28. Oktober bei der entscheidenden Unterhausdebatte mit Nein zu stimmen. Dagegen wurde ein Antrag des linken Flügels, die britischen Aufnahmegesuche zu widerrufen und grundsätzlich eine EWG-Mitgliedschaft zu verwerfen, mit 3,082 gegen 2,005 Millionen Stimmen abgewiesen.

Vor der Abstimmung hatte der Innenminister im Labour-Schattenkabinett, Callaghan, die Delegierten darauf festgelegt, einem Beitritt nur unter drei Bedingungen zuzustimmen: Neuverhandlungen über die Agrarpolitik, das Finanzierungssystem und die Pläne für eine europäische Währungsunion.

Ganz auf der harten Linie der Mehrheit, griff Parteiführer Wilson die unentschlossenen Kandidaten an. "Wir haben keinen Platz für Trittbrettfahrer oder Hasenherzen", erklärte er und fügte hinzu, kein Labour-Abgeordneter habe seine Wahl aus eigenen Kräften geschafft. Diese Warnung richtete sich gegen die Minderheit um den stellvertretenden Parteichef und früheren Schatzkanzler Jenkins, die Ende Oktober für den Beitritt votieren wollen. Ihre Auffassung formulierte der ehemalige Außenminister George Brown: "Wir sind mit allen unseren Schwesternparteien in Europa außer Tritt geraten. Die Geschichte wird ohne uns gemacht werden." Nach dem Riß in Brighton rechnen englische Zeitungen damit, daß etwa 20 Labour-Abgeordnete um Jenkins eine innerparteiliche Opposition bilden werden.

Für den spektakulärsten Auftritt sorgte Denis Healey, Außenminister im Schattenkabinett. Nach mehreren Meinungsänderungen zuletzt Anhänger eines Beitritts, gab er am Montag in Brighton unverhohlen zu, er lehne die Beitrittsbedingungen ab, weil sie von der konservativen Regierung ausgehandelt worden seien.