Fern im Süd das schöne Spanien..." So haben’s die Mütter von den Großmüttern gehört und haben’s beim weihnachtlichen Plätzchenbacken wohl auch sehnsüchtig mitgesungen. Dann haben sie aber im Handumdrehen umgelernt: Spanien ist nicht fern. Die,südlichen Gestade der Balearen und Kanaren sind im Winter des Bundesbürgers liebste Sonnenterrasse. Zunehmend setzt sich die Ansicht durch, daß es sehr viel angenehmer ist, im schönen Spanien einen Zweiturlaub zu verbringen, als in der kalten Heimat Plätzchen zu backen. Schließlich braucht man, um das nagende Fernweh in den preiswerten Süden zu stillen, heutzutage nicht mehr als ein bißchen verbliebene oder zusammengestoppelte Freizeit und ein paar Hundertmarkscheine (eine Woche Übernachtung mit Frühstück im neuen Winterangebot von Touropa: schon ab 178 Mark).

Nicht jeder Spanienfahrer weiß, an welchem Ort er seines privaten Urlaubsvergnügens auch wahrhaft froh werden kann.

Im Bestreben, die als schmerzlich empfundene Informationslücke zu schließen, hat der Münchner Reiseveranstalter Touropa ("Die Urlaubsexperten") Tabellen entwickelt, deren Durchschnittswerte sich auf zehnjährige meteorologische Beobachtungen stützen. Und nun haben die Zugvögel und Siebenmeilenstiefeltouristen etwas, woran sie sich halten können.

Mallorca zum Beispiel: Auf der Baleareninsel erreicht die Lufttemperatur im Oktober noch den durchschnittlichen Maximalwert von 23 Grad, sinkt im Januar auf 14 und erreicht bis April wieder 19 Grad. Als durchschnittliche Tiefstwerte sind für die Monate Oktober bis April 14, sechs und neun Grad angegeben. Die Sonne scheint selbst im Dezember und Januar noch 144 beziehungsweise 157 Stunden. Das ist ungefähr fünfmal beziehungsweise dreimal soviel wie zur selben Zeit in Frankfurt. Dafür gibt’s auf den Balearen von Oktober bis Dezember mehr Regen als in Westdeutschland und immerhin auch 20 Tage Nebel.

Die Klimawerte für Andalusien sind ähnlich. Dort ist es ein bis zwei Grad wärmer, die Sonne scheint im Monat 20 bis 30 Stunden länger. Im Oktober und November sowie Februar und März regnet es mehr als in Frankfurt oder Hamburg. Doch die Niederschläge sind lind. Nebel ist so gut wie unbekannt.

Ganz anders, sieht es auf den Kanarischen Inseln aus. Auf Teneriffa beispielsweise wird es im grimmigsten Winter nie kälter als 14 und 15 Grad. Die Maximaltemperaturen liegen über 20 Grad. Im Oktober scheint die Sonne 207 Stunden, im Dezember, dem dunkelsten Monat, noch 159 und im März schon wieder 224 Stunden. Der meiste Regen fällt im Dezember, eigenartigerweise auch wieder mehr als in der Bundesrepublik und sogar mehr als in Palma de Mallorca. Schnee und Nebel gibt es auf den Kanarischen Inseln nicht.

Auf Mallorca und in Andalusien kann man den ganzen November noch im Meer baden, in Schwimmbädern schon wieder ab März. An den Küsten von Teneriffa und Gran Canaria beträgt die durchschnittliche Meerwassertemperatur im Dezember und Januar 20 und 19 Grad, am Sandstrand von Fuerteventura 19 und 18 Grad. Geheizte Schwimmbäder gibt es in Torremolinos, Palma de Mallorca, Ibiza, Figueretas und Santa Eulalia.

Nun ist es im Zeitalter eines zusehends mächtiger sich reckenden Individualtourismus mit Baden und Faulenzen nicht mehr getan. Immer entschlossener streben die Urlauber zu Steckenpferd und Sport. Wohlan! In allen (Touropa-) Residenzen auf der winterlichen Sonnenterrasse gibt es Tennisplätze (Ausnahme: Las Palmas, Gran Canaria). Überall in Andalusien und auf den Balearen kann man reiten (Ausnahme: Ibiza und Figueretas auf Ibiza); auf den Kanarischen Inseln nur in Playa del Ingles. Zum Golfspielen und zu arrangierten Kunst-Rundreisen trifft man sich in Andalusien (Torremolinos, Marbella, Fuengirola). Allerlei Kurzweil gibt es eigentlich auch überall, und die Reiseleiter sind allerorts unterhaltsam tätig. Doch auch für Freunde der Stille ist gesorgt: Sie wenden sich zuversichtlich nach Santa Eulalia (Ibiza), Playa del Ingles (Gran Canaria) und Jandia Playa (Fuerteventura). Und für einen "typischen Individualistenurlaub, was immer man darunter verstehen mag, empfehlen die Urlaubsexperten Fuengirola in Andalusien, Ibiza ("Macht es Ihnen etwas aus, wenn der Tag zur Nacht gemacht wird?") und Fuerteventura. ll