Das Geheimnis um den Londoner KGB-Überläufer ist gelüftet: Es ist der 34 jährige Oleg Lyalin, ein Mitglied der sowjetischen Handelsdelegation ohne diplomatischen Status. Die englische Zeitung Daily Express war ihm schon nach einem Hinweis aus der sowjetischen Botschaft auf die Spur gekommen. Lyalin war Ende August wegen Trunkenheit am Steuer festgehalten worden und hatte eine Blutproben-Entnahme verweigert.

Nachdem er Mitte voriger Woche zum festgesetzten Termin nicht vor Gericht erschienen war, bestätigte auch das Foreign Office den Verdacht, daß er der Überläufer sei. Lyalin lief mit umfangreichem Material über, weil er nach dem Zwischenfall damit rechnen mußte, von seiner Botschaft in die Sowjetunion zurückgeschickt zu werden.

70 der 105 ausgewiesenen Sowjetbürger haben mittlerweile England mit dem Schiff verlassen. Moskau entfachte eine regelrechte antibritische Kampagne und beschuldigte im Gegenzug britische, in der – Sowjetunion lebende Staatsbürger der Spionage. Unter anderem "enthüllte" Kim Philby, heute in Moskau lebender Doppelagent, in der Iswestija die Praktiken des britischen Geheimdienstes. Die britische Regierung hat die sowjetischen Beschuldigungen zurückgewiesen und erklärt, es bestehe kein Grund, die Aus-Weisungsbeschlüsse zu revidieren.

In London hält sich hartnäckig das Gerücht, Lyalin habe auch die Namen sowjetischer Spione in anderen Nato-Ländern, darunter in der Bundesrepublik, mitgebracht. Nach einem Bericht der New York Times soll Bonn die meisten Sowjet-Spione beherbergen. Das Blatt will wissen, daß Iwan Saizew, Botschaftsrat für politische Angelegenheiten bei der sowjetischen Botschaft in Rolandseck, der Moskauer Geheimdienstchef für die Bundesrepublik sei.