Mit gemischten Gefühlen registrierten die 247 Delegierten der 257 deutschen Heilbäder und Kurorte den Jahresbericht 1970 auf dem 67. Deutschen Bädertag in Westerland. Gegenüber dem Jahre 1959 hat sich die Gesamtzahl der Kurgäste um fast fünf Prozent, auf 4,5 Millionen, die der ausgegebenen Kurmittel um etwa 18 Prozent erhöht. Aber: Die Personalkosten, die schon über 50 Prozent der Gesamtaufwendungen betragen, die steigenden fixen Kosten, sowie die Ausgaben für den Umweltschutz bedeuten, daß Kurtaxe, Übernachtungen und Pensionspreise kaum um eine Erhöhung herumkommen.

Um wettbewerbsfähig zu bleiben, forderte ein Sprecher in einem Referat mod rne Führungsmethoden ("Manager an die Front"), bessere Preispolitik auf Grund betriebswirtschaftlicher Erfahrungen und Rationalisierungsmaßnahmen; dazu gehört auch die Verkleinerung der teilweise 20 bis 30 Mann starken. Kurorchester, die in Zukunft mit zehn bis zwölf Musikern auskommen und an Stelle der "Mühle im Schwarzwald" auch moderne Musik ("Opas Glühwürmchenidylle ist tot") spielen müßten.

Der Referent vermißte die Zusammenarbeit der Kur- und Badebetriebe in Erfahrungsaustauschgruppen, die untereinander ihre Karten kaum auf den Tische legten. ("Ein geheiztes Schwimmbad behält doch jeder im Ärmel.")

Außerdem, forderte ein anderer Sprecher, sollen die Heilbäder "auch ohne Abwarten amtlicher Regelungen schon jetzt in eigener Initiative und Verantwortung dem wachsenden Umweltbewußtsein ihrer Besucher Rechnung tragen". In diesem Sinne entwarf man das Motto für 1972: "Die Kur schenkt neue Lebensjahre." Wahrscheinlich aber nicht zu alten Preisen. R. B.