Noch vor vier Wochen ließ Neckermann eine Spiegel-Meldung dementieren: Die Kaufhaus-Tochter Neckermann und Reisen (N-U-R) verkündete, daß N-U-R-Urlauber auch in Zukunft mit Jets der Münchner Charterfluggesellschaft Paninternational an die Ferienküsten geflogen werden. Zwei Wochen später hatte es sich der Frankfurter Reiseunternehmer anders überlegt. Jetzt hieß es: "Die Zusammenarbeit ist mit sofortiger Wirkung eingestellt." Damit hatten die Luftfahrer aus München einen ihrer wichtigsten Kunden verloren.

Der Kündigung durch Neckermann war ein geplatzter Urlauberflug nach Nizza vorausgegangen. Für die bei der Notlandung in Hamburg zu Bruch gegangene BAC 1-11 hatte Paninternational bei der niederländischen Chartergesellschaft Martinair, einer Tochtergesellschaft der KLM, einen Jet zum Urlaubertransport gemietet. Vor dem Flug nach Nizza stellten die Buchhalter der Martinair jedoch fest, daß von sieben Paninternational-Schecks sechs ungedeckt waren. Nach Nizza wollten die Holländer daher erst fliegen, wenn Rechnungen in Höhe von 259 000 Mark sofort bezahlt würden. Paninternational konnte nicht zahlen; der Jet flog leer nach Holland zurück.

Nur vier Tage später war Paninternational wieder eine Schlagzeile wert: In Dubrovnik mußten über 100 Urlauber auf dem Flughafen übernachten. Die jugoslawischen Behörden ließen eine Paninternational-Boeing 707 nicht nach Deutschland starten. Auch in Jugoslawien hatte sich das Unternehmen durch eine schlechte Zahlungsmoral unbeliebt gemacht.

Freilich heißt es dazu in München, daß dieses Einschreiten nicht gerechtfertigt sei. Paninternational müsse für Schulden einstehen, die auf das Konto von Paneuropa, einem Münchner Reiseunternehmen, gehen. Den Behörden in Dubrovnik war aber nicht verborgen geblieben, daß Paneuropa und Paninternational zwar nicht juristisch, aber personell eng verbunden sind: Die Geschäftsführer der Paninternational sind auch die Herren von Paneuropa, und Paneuropa ist Paninternationals bester Kunde.

Vor diesem Hintergrund mußte am Montag das Bundesverkehrsministerium eine schwere Entscheidung fällen. Am Montag um 24 Uhr wäre für Paninternational die befristete Betriebsgenehmigung für die beiden Boeing 707 der Gesellschaft und die Genehmigung für das Flugprogramm abgelaufen.

Nach mehr als achtstündiger Verhandlung bekam Paninternational ein bedingtes o.k. aus Bonn. Die Genehmigung wurde "kurzfristig vorlängert", was bedeutet, daß sie jederzeit kurzfristig widerrufen werden kann. Die technische und betriebliche Prüfung hatte ergeben, daß die Flugsicherheit nicht gefährdet ist. Die vom Luftverkehrsgesetz (LVG) geforderte wirtschaftliche Leistungsfähigkeit konnte jedoch nicht überprüft werden. Mit dieser Entscheidung blieb der seit langem prophezeite Eklat bei Paninternational aus.

Als erste hatten die Gründer der Paninternational, Tassilo Trommer und Jürgen Botzenhardt, vor drei Jahren die Möglichkeiten der deutschen Steuergesetzgebung zur Finanzierung einer eigenen Luftflotte genutzt. Trommer und Botzenhardt ließen sich ihre Jets von gutverdienenden Freiberuflern finanzieren. Zahnärzte und Architekten investierten ihr Kapital bei der Gesellschaft und erhielten als Gegenleistung von der Paninternational Verlustzuweisungen, mit denen sie ihr steuerpflichtiges Einkommen vermindern konnten. Seit dieser Zeit hörten die Gerüchte um die junge Gesellschaft nicht auf.