Die Reiseveranstalter sind rundherum zufrieden: 1971 war für sie ein erfolgreiches Jahr. Erstmals führt Neckermann die Tabelle der "großen neun" an. Die Kaufhof-Hysterie, die im letzten Herbst allerorten ausbrach, hat das Frankfurter Unternehmen offenbar zu ungewöhnlichem Tatendrang angespornt. Zählt man freilich alle zur TUI gehörenden Unternehmen zusammen (Scharnow, Touropa, Hummel, Tigges und airtours), so bleibt der Konzern mit rund 1,4 Millionen Reiseteilnehmern immer noch unangefochtener Spitzenreiter.

Scharnow liegt mit einer Zunahme der Reiseteilnehmer um elf Prozent unter dem Durchschnitt. Außer im Ferienwohnungsprogramm – so hört man aus Hannover – würden freilich die Erwartungen überall erfüllt. Die Touropa-Zahlen bedürfen der Erläuterung. Sie enthalten 1971 nicht mehr das Incoming-Geschäft in Frankfurt, das an die Lufthansa abgetreten wurde. Außerdem werden die von Touropa und Scharnow gemeinsam vertriebenen TS-Fernreisen ausschließlich bei Scharnow verbucht.

Bei Transeuropa machte sich die Kooperation von Quelle und Karstadt bezahlt, man erzielte die zweithöchste Umsatzsteigerung. Die Zahlen von Hummel zeigen nicht, daß hier Kärrnerarbeit geleistet werden muß. 75 Prozent der Teilnehmer sind Bahnreisende, in kleinen und Kleinstkontingenten zu ebensolchen Preisen. Ein Blick auf den Umsatz spricht Bände, airtours ist genau umgekehrt strukturiert. Hier werden die teuren Reisen verkauft, und man hat kräftig vom zunehmenden IT-Trend profitiert. Auch die Kaufhof-Reisen gehören merkwürdigerweise nicht zu den Anbietern von Billigferien. Der Starterfolg von Null auf 195 000 verdient Respekt, auch wenn in der Branche von 300 000 erhofften Teilnehmern gemunkelt wurde.

g-u-t hat im abgelaufenen Reisejahr prozentual den größten Erfolg erzielt. Bereits im ersten Jahr seines Bestehens war das Unternehmen von null auf 125 000 Teilnehmer gekommen, durch einen intensiven Ausbau des Vertriebsnetzes setzte sich der starke Aufwärtstrend fort. Tigges zieht seit drei Jahren erheblichen Nutzen aus seiner Zugehörigkeit zur TUI. Tigges-Programme können dadurch von allen deutschen Flughäfen aus angeboten werden. Auch die Zunahme dieses Jahres geht vor allem auf dieses Konto.

Ferdinand Ranft