Seit Herbst 1966 veranstaltet der Europasprachklub Ferienkochkurse in bekannten Feinschmeckerrestaurants. Die Hobbyköche treffen sich im Elsaß, in Österreich, in der Schweiz, neuerdings auch in Baden-Baden.

Am beliebtesten scheinen die Kurse zu sein, bei denen man die Feinheiten der französischen Küche erlernen kann: die "Hostellerie du Cerf" in Marlenheim bei Straßburg, die "Hostellerie Cheval Blanc", in Lembach bei Weißenburg, das "Hotel d’Alsace" in der Nähe von Saarbrücken und, allen voran mit Snob-appeal, das "Aux Armes de France" in Ammerschwihr im Elsaß.

In Österreich sind es das "Grand Hotel" in Bad Hofgastein, der Gasthof "Raffel" in Jennersdorf im Burgenland und das "Schloßhotel Kleßheim" bei Salzburg, in denen man den hochdotierten Küchenmeistern über die Schulter schauen kann, um etwas über österreichisch-ungarische Schmankerln zu erfahren. "Das Beste aus europäischen Küchen" wird in "Brenner’s Parkhotel" in Baden-Baden zubereitet und verzehrt, in Ruhpolding dreht sich natürlich alles um bayerische Gerichte, und die Freunde der chinesischen Küche treffen sich im Chinarestaurant "Li Tai Pe" in Luzern.

Die Teilnehmerzahl ist bei allen Kursen auf zehn bis zwölf Personen begrenzt, sonst gäbe es in den Hotelküchen, in denen ja auch die Menüs für die zahlenden Gäste von Berufsköchen. zubereitet werden, ein heilloses Durcheinander. Zu bewundern sind sie allemal, die Köche, die sich acht bis zehn Tage lang von einer Schar fragender, mehr oder weniger geschickter und eifriger Hobbyköche umgeben, sehen, bei einer Arbeit, die so viel Aufmerksamkeit, Organisationstalent und Fingerspitzengefühl verlangt.

In Kleßheim steht den Kursteilnehmern die Lehrküche der Hotelfachschule, die zum Schloß gehört, zur Verfügung. Sie hat vielleicht nicht soviel Atmosphäre wie eine Hotelküche, bietet aber bessere Möglichkeiten für einen anschaulichen und individuellen Unterricht, zumal Küchenmeister Ludwig Scheibenpflug, Meisterkoch in der vierten Generation seiner Familie und Inhaber der Chaîne des Rôtisseurs, fern aller Starallüren ein trefflicher Lehrer ist. Normalerweise unterrichtet er die Schüler der Hotelfachschule, in den Ferien widmet er sich den Hobbyköchen.

Morgens um neun Uhr und nachmittags um fünf Uhr versammelten sich die Hobbyköche weißbekittelt und mit Kopftuch, um in drei- bis vierstündiger Arbeit das Mittags- beziehungsweise Abendmenü zuzubereiten. Einigen kalorienbesessenen Damen bereitete das anschließende Verspeisen der Gerichte mehr Kopfzerbrechen als das Zubereiten. Sie handelten sich einen treffenden Tadel des Meisters ein: Genausowenig wie es sich empfiehlt, in einem Fastensanatorium ständig an Gebratenesund Gesottenes zu denken, so sollte man in einem Kochkurs nicht immer überzählige Kalorien nachrechnen. Das gleiche gilt für unsere ganze, etwas verbogene Eßmoral: Einerseits gilt es als chic, etwas von feiner Kochkunst zu verstehen und seine Gäste mit raffinierten Gaumenfreuden zu verwöhnen, andererseits sieht man ständig den erhobenen Zeigefinger: Achtung, die schlanke Linie!

Der österreichischen Küche haftet ohnehin der Makel des "Dickmachens" an, offeriert sie doch so gefürchtete Gerichte wie Fleisch-, Quark- und Apfelstrudel, wie Marillen-, Leber- und was weiß ich für Knödel, wie Farcen-Trüffel oder gar Salzburger Nockerln. Wer denkt schon daran, daß man in Österreichs klaren Gebirgswässern und in den Flüssen die herrlichsten Fische angdt und dementsprechend Forellen, den Donauzander und den Seibling vorzüglich zuzubereiten versteht. Desgleichen schätzte man in der Donaumonarchie stets die Jagd und ihre kulinarischen Begleiterscheinungen. Die Suppe gehört ohnehin zu jedem Essen, ob in der feinen oder in der einfachen Küche, und da man Suppe und Nachspeise sehr liebt, verzichtet man gern auf die kalte Vorspeise.