Die deutsch-deutschen Verhandlungen zur Ausfüllung des Viermächteabkommens über Berlin sind über die erste Hürde. Der Sprachenstreit ist in der Sache überstanden. Zwar bleibt die DDR bei ihrer eigenen Übersetzung, aber sie räumt nun wieder ein, daß es einmal einen vereir-barten deutschen Text gegeben hat. Und sie hat in politischen Reden wie im Postabkommen manifestiert, daß sie sich an diese Vereinbarung halten will, wo sie schon – möglicherweise wegen Auseinandersetzungen in der SED-Führung – nicht zu deren Wortlaut zurücktrecken mag.

Der Übersetzungsstreit war seiner Substanz nach nicht sonderlich wichtig. Der sprachliche Unterschied zwischen "Verbindungen" und "Bindungen" fällt nicht ins Gewicht, da ja im Abkommen die faktische Substanz des Begriffs präzise definiert ist. Was ein "konstitutiver Teil" ist, wissen ohnehin weder die Linguisten noch die Juristen genau zu sagen; früher wurde der westalliierte Ausdruck "constituent part" ja auch bei uns schlicht mit "Bestandteil" übersetzt, wie die DDR heute sagt. Bedeutsamer war es, daß die DDR einen Wortbruch an den Beginn der zwischendeutschen Verhandlungen setzte. Jetzt muß sie sich tummeln, den schlechten Geruch, in den sie ihr Verhalten gebracht hat, wieder zu vertreiben.

Bahr und Kohl, Müller und Kohrt können sich nun an den Kern der Dinge heranarbeiten. Das wird langwierig und schwierig sein. In ihren ersten Vertragsentwürfen scheint die DDR nicht viel mehr zu bieten als eine Wiedergabe des Botschafterabkommens in anderen Worten – keinerlei Vertiefung, Detaillierung, Präzisierung. Eben daran muß Bonn freilich interessiert sein. Der Raum, den die Botschafter den Deutschen gelassen haben, darf nicht mit Schaum ausgefüllt werden. Eiserne Streben sind notwendig, wenn das ganze Gebäude tragen soll. Th. S.