Was muß Paninternational zahlen?

Seit dem Hamburger Flugzeugunglück kann man viel über den Versicherungsschutz von Flugreisenden lesen. Leider auch viel Unsinn, in einigen Zeitungen sogar ausgesprochene Falschmeldungen, wie kürzlich in der Welt.

Es trifft nicht zu, daß die Hinterbliebenen der 22 Opfer "35 000 Mark als Maximalbetrag erwarten können". Nach dem sogenannten "Warschauer Abkommen" haftet die Fluggesellschaft vielmehr für jeden Passagier bis zu einem Höchstbetrag von 60 750 Mark. Wenn der Fluggesellschaft "grobes Verschulden" nachgewiesen werden kann, entfällt diese Haftungsbegrenzung, der Luftfrachtführer haftet dann sogar unbegrenzt. Im Falle der Paninternational liegt dieser Fall nach dem gegenwärtigen Stand der Untersuchungen durchaus im Bereich der Möglichkeiten.

Kann eine Fluggesellschaft dagegen "höhere Gewalt" als Unfallursache nachweisen, so ist sie berechtigt, die bereits ausgezahlte Versicherungssumme zurückzufordern. Für den Bereich der Bundesrepublik gibt es aber noch eine zusätzliche Unfallversicherung, nach der jeder Passagier automatisch bei Tod oder Invalidität mit 35 000 Mark versichert ist. Dieser Versicherungsschutz bleibt auch im Falle höherer Gewalt bestehen, er wird andererseits aber auch auf Zahlungen nach dem Warschauer Abkommen angerechnet. (Siehe auch ZEIT Nr. 38/71 "Sicherheit und Versicherung".) F.R.

DDR-Touristen verreisen privat

Alle Jahre wieder veröffentlicht das DDR-Reisebüro einen politisch-touristischen Rechenschaftsbericht. Er will zeigen, wohin die Fremdenverkehrsgewaltigen der DDR ihre Touristenströme gelenkt haben. Selbstredend werden den Bewohnern Mitteldeutschlands nur Ferienorte in den sozialistischen Ländern angeboten. Aber das DDR-Reisebüro verteilt sogar hier noch seine Gunst je nach politischer Zuverlässigkeit. So mußte sich beispielsweise Rumänien gegenüber 1969 eine Kürzung des DDR-Touristenkontingents um 50 Prozent auf nur noch 8500 Plätze gefallen lassen, und nach dem Einmarsch in die ČSSR bot das DDR-Reisebüro hier nur noch 26 000 Plätze für DDR-Reisende statt 350 000 an.

Aber diese Zahlen täuschen. Glücklicherweise hat das DDR-Reisebüro längst nicht mehr das Monopol in Sachen Auslandstourismus. Immer mehr DDR-Bürger verreisen inzwischen privat in die anderen sozialistischen Staaten, und sie halten sich dabei in keiner Weise an die politischen Weichenstellungen der Tourismusmanager. So transportierte das DDR-Reisebüro zum Beispiel 1968 rund 607 000 DDR-Bürger ins "sozialistische Ausland", aber privat machten im gleichen Jahre mehr als 1,6 Millionen DDR-Bürger eine Auslandsreise. Für die letzten Jahre gibt es darüber leider keine offiziellen Zahlen mehr. Aber eines ist sicher: Urlaub im anderen Deutschland heißt heute bei den meisten: Flucht aus dem Ferienkollektiv. -ft