Werner Dollinger, CSU-MdB und Ex-Postminister, erhielt zum Trost dafür, daß er nicht zum Vorsitzenden des CDU/CSU-Arbeitskreises "Haushalt, Steuern und Finanzen" gewählt wurde, nun den Vorsitz der Arbeitsgruppe "Wirtschaft" der CSU-Landesgruppe im Bundestag. Er trat damit an die Stelle von Hermann Höcherl, der den Vorsitz des Arbeitskreises Haushalt übernahm, den bis dahin der verstorbene CSU-Abgeordnete Wolfgang Pohle innehatte. Daß Höcherl bei der Wahl zu diesem Posten Werner Dollinger knapp schlagen konnte, wird auf die Mitwirkung des CDU-Landesgruppenvorsitzenden Richard Stücklen, gleichfalls Ex-Postminister, zurückgeführt. Stücklen und Dollinger sind Rivalen, und zwar noch aus der Zeit der Großen Koalition. Damals hatte Stücklen das Postministerium zugunsten von Dollinger räumen müssen.

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Erhard Eppler, Entwicklungsminister und Leiter der SPD-Steuerreformkommission, war ebenso wie Superminister Karl Schiller nach Dortmund zum SPD-Bezirksparteitag am vergangenen Wochenende zur Diskussion der Steuerreform eingeladen. Eppler erschien, Schiller nicht. Das fiel auf, denn immerhin ist Dortmund Schillers Wahlkreis. Er ist dort außerdem Mitglied des Bezirksausschusses und hatte in dieser Eigenschaft eine Einladung erhalten. Termingründe (eine Reise nach Acapulco), Arbeitsbelastung und auch die Erfahrung, daß dieser Bezirk eher nach links als zur Schiller-Mitte tendiert, veranlaßten den Super-Minister offenbar, seinem Kabinettskollegen Eppler das Feld allein zu überlassen. Schiller begnügte sich mit einem Grußtelegramm. Die Dortmunder Genossen sind verärgert, weil sich der Minister trotz der geringen Entfernung zwischen Bonn und Dortmund allzu selten in seinem Wahlkreis sehen läßt.

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Stabilitätsbewußte Abgeordnete mokieren sich darüber, daß der Umbau des Hauses der "parlamentarischen Gesellschaft" in Bonn, gesellschaftlicher Treffpunkt von Abgeordneten und anderen politischen Persönlichkeiten, 400 000 Mark gekostet hat. Unbehagen bereitet vor allem die intern von Hand zu Hand weitergegebene Aufschlüsselung der Gesamtkosten. 200 000 Mark sollen nämlich allein dafür ausgegeben worden sein, um der Geschäftsführerin der Gesellschaft, Elisabeth Gräfin von Werthern, ein standesgemäßes Boudoir zu schaffen. Zwar dürften die Kosten für das elegante Damenzimmer der Gräfin, die auch Bundestagspräsident Kai Uwe von Hassel in Protokollfragen berät, niedriger liegen, doch zur Schaffung der Ruhestätte waren erhebliche Umbauten im Haus notwendig. Bei der Bundesvermögensstelle, der die Unterhaltung und Instandsetzung der Villa obliegt, wird die Höhe der Boudoir-Kosten bestritten, die Gesamthöhe der Aufwendungen allerdings bestätigt. Einige besonders hartnäckige Abgeordnete, wollen nun Details erforschen. Ein Mitglied des Haushaltsausschusses: "Bei aller Verehrung für die Gräfin und ihre Arbeit – in Zeiten allgemeiner Sparsamkeit kann man nicht so teuer schlafen."

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Alle 16 kürzlich pensionierten Generale und Admirale hätten freiwillig auf die Übernahme von Posten in der Rüstungslobby verzichtet, wurde vom Verteidigungsministerium stolz gemeldet. Ex-Heeresinspekteur Albert Schnez wird sich allerdings weiter um die Belange der Verteidigungswirtschaft kümmern, nicht als "Lobbyist", sondern als Erster Vorsitzender der "Deutschen Gesellschaft für Wehrtechnik". Diese Gesellschaft lebt ‚ allerdings von nicht unbeachtlichen Zuschüssen der Rüstungsindustrie. Schnez, dessen Ruhegehalt über 4000 Mark liegen wird, kann seine Bezüge zusätzlich aufbessern: als Mitarbeiter der Geschäftsleitung des Speditionsunternehmens Kühne und Nagel. Die Firma übernimmt auch Transporte für Behörden.