Einschneidende Änderungen in der steuerlichen Behandlung von Reisekosten beschert eine neue Verwaltungsvorschrift den Arbeitnehmern in der Bundesrepublik vom 1. Januar 1972 an.

Von diesem Zeitpunkt an beginnt eine Dienstreise erst, wenn sich der Arbeitnehmer mehr als 15 Kilometer (bisher fünf) von seiner Arbeitsstätte entfernt. Wird die Entfernungsgrenze nicht erreicht, liegt ein "Dienstgang" vor. Dauert die Arbeit im "Nahbereich" länger als fünf Stunden, so werden die Mehraufwendungen – ohne Nachweis – bis zu einer Höhe von drei Mark abgabefrei (ohne Lohnsteuer oder Sozialabgaben) vom Arbeitgeber ersetzt, dauert sie länger als zehn Stunden, dann beträgt dieser Satz fünf Mark. Damit sinkt die Pauschale für viele Außendienstleute von 30 auf fünf Mark.

Außer den Richtlinien für Entfernung und Zeitraum muß bei der Beschäftigung eine "arbeitsmäßig, technisch bedingte Bindung zum Betrieb bestehen". Praktisch bedeutet das: Der Außeneinsatz muß im Betrieb vorbereitet beziehungsweise anschließend am Arbeitsplatz ausgewertet werden können.

Dienstreisen im In- und Ausland sind für eine Zeitdauer bis zu drei Monaten voll steuerfrei vergütungsfähig.Danach gelten lediglich die Sätze für die doppelte Haushaltsführung. "Versetzte oder abgeordnete" Arbeitnehmer erhalten jedoch in den ersten zwei Wochen ihrer neuen Tätigkeit (bei doppelter Haushaltsführung) im Inland einen Pauschalbetrag von 22 Mark für den Verpflegungsaufwand und von 20 Mark für Übernachtungskosten; für den Auslandsaufenthalt liegen diese Sätze zwischen 24 und 48 Mark – je nach Ländergruppen-Einteilung.

Fahrtkosten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte werden – ungeachtet des Transportmittels – voll vergütet. Die steuerfreie Kilomete-geldpauschale beträgt für private Kraftfahrzeuge 18 Pfennig pro zurückgelegten Kilometer.

Neu in der Verordnung ist der Passus, daß die Anwendung der Pauschalbeträge untersagt werden kann, wenn "nach der Lebenserfahrung Mehraufwendungen nicht entstehen". Wer sein eigenes Butterbrot auf der Dienstreise verzehrt, dem streicht die Oberfinanzdirektion unter Umständen den Verpflegungsmehraufwand oder die gesamte Tagespauschale. jfr