Als vor einigen Wochen das anspruchsvolle Projekt einer Großrechner-Union der beiden deutschen Elektrokonzerne Siemens und AEG-Telefunken an den massiven Bedenken des größeren scheiterte, war dies für die Computer-Strategen im Bundesministerium für Bildung und Wissenschaft eine arge Enttäuschung. Minister Leussink hatte sich für dieses ehrgeizige Vorhaben so stark gemacht, daß er sich mit der Absage von Siemens nicht abfinden wollte. AEG-Telefunken und Nixdorf, so wurde zunächst bekannt, solle die Ersatzlösung heißen.

Jetzt setzt Leussink auf eine neue Karte: Nachdem die Computer-Ehe zwischen Siemens und der Radio Corporation of America (RCA) vor der Scheidung steht, ist Siemens an neuen Partnern in Europa interessiert. Hier bietet sich in erster Linie Philips an. Der holländische Konzern ist in der elektronischen Datenverarbeitung aber erst 1969 aktiv geworden und hat in der Bundesrepublik mit 34 installierten Anlagen bisher nur einen sehr geringen Marktanteil, nämlich weniger als ein halbes Prozent. Siemens dagegen rechnet sich 16 Prozent aus. Die Gewichte sind also sehr unterschiedlich verteilt.

Das Bundes-Wissenschaftsministerium beeilt sich nun, Siemens und Philips nicht nur eine Partnerschaft zu empfehlen, sondern beide auch recht deutlich aufzufordern, bei der Entwicklung und Produktion von Groß-Rechnern zusammenzuarbeiten. Dies wäre aber bestimmt ein recht problematischer "Aufhänger" für eine Kooperation. Eine aktive Wissenschafts- und Industriepolitik sollte nicht vom Wunschdenken, sondern von den Realitäten ausgehen.