ZEITSPIEGEL – Seite 1

"Saarbrücken ist eine deutsche Uraufführung." Helmut Kohl

CDU-Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz

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"Ich glaube mehr an Computer als an Karl Marx." Hans Koschnick

Bremer Senatspräsident

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ZEITSPIEGEL – Seite 2

"Zwischen Schiller und Charybdis kam die Planungsreserve der Bundesregierung abhanden." Johannes Rau

Wissenschaftsminister in Nordrhein-Westfalen

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"Das Eis ist gebrochen, das lange sehr fest gefügt schien, und zwar so gebrochen, daß niemand dabei ausgerutscht oder naß geworden ist." Georg Leber

Bundesverkehrsminister,

zur Postvereinbarung mit Ostberlin

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ZEITSPIEGEL – Seite 3

"Bei einem Kanzler Brandt gibt es keine gewollte Rezession etwa der Art, wie sie uns vor fünf Jahren beschert worden ist."

Willy Brandt

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"Die SPD hat schon für die parlamentarische Demokratie gekämpft, als die konservativen Ahnen der CDU sie noch für Teufelswerk hielten." Hans-Alexander Drechsler

niedersächsischer SPD-Landtagsabgeordneter

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"Ich sehe im Arbeiter einen Unternehmer, alles andere ist von gestern." Rainer Barzel

ZEITSPIEGEL – Seite 4

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"Verflucht sei, wer die Dogmen leugnet."

Bischof Adam von Sion/Schroeiz

während der römischen Bischofssynode

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"Ich war während der letzten vier Jahre kein Diktator, und ich glaube auch nicht, daß ich in der Zukunft ein Diktator sein werde."

Nguyen van Thieu

ZEITSPIEGEL – Seite 5

Staatspräsident von Südvietnam

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"Besser sich selbst isolieren, als isoliert zu werden." Georges Pompidou

französischer Staatspräsident,

zur internationalen Währungskrise

"Eine diplomatische Obszönität."

Die Weltwoche,

ZEITSPIEGEL – Seite 6

schweizerische Wochenzeitung,

zur britisch-sowjetischen Spionageaffäre

Im Glashaus

Rund 300 Setzer und Drucker des Axel Springer Verlages, so berichtete ihr Verleger, haben kugelsichere Scheiben für ihre Arbeitsräume in der Nähe der Berliner Mauer gefordert. Diese Unterschriften kamen zustande, nachdem der Betriebsrat entsprechende Listen ausgelegt hatte. Anlaß dafür waren Schüsse auf DDR-Flüchtlinge, von denen einige in Westberliner Scheiben einschlugen. Für Axel Springer ist diese Unterschriften-Aktion ein Beweis für die Verunsicherung der Berliner durch Willy Brandts Ostpolitik, obwohl auch zu Kanzler Kiesingers Zeiten Kugeln von DDR-Grepos nach Westberlin herüberschwirrten.

Neokolonialismus

Die Spanier fürchten sich vor neuen Kolonialherren. Die monarchische Madrider Tageszeitung ABC warnte vor dem touristischen "Kolonialismus". Für ABC verwandeln die 25 Millionen ausländischen Touristen große Teile Spaniens in ein "fremdes Land", in dem andere Sprachen gesprochen, ausländische Währung angenommen und Einheimische diskriminiert würden. Zwar sei, so schreibt die Zeitung, der Tourismus ein bedeutender wirtschaftlicher Faktor, doch werde der größte Teil der Ferienzentren in den Erholungsorten und an den Badestränden durch Fremdkapital finanziert.

Scheel-Barometer

ZEITSPIEGEL – Seite 7

FDP-Außenminister Walter Scheel wird immer populärer. Sein Image-Pegel stieg von 41 Prozent im Juni auf 48 Prozent. Das Allensbacher Institut für Demoskopie ermittelte, daß zwar 53 Prozent der Männer, aber nur 42 Prozent der Frauen mit Scheels Außenpolitik "im großen und ganzen einverstanden" sind. Selbst bei den Anhängern der Opposition, die sich nur zu 19 Prozent mit Willy Brandts Regierungspolitik einverstanden erklärten, äußerte sich jeder dritte zustimmend zu Walter Scheel.

Später Zahltag

Die Bundesrepublik und die DDR werden eines Tages eine teure Zeche vielleicht gemeinsam bezahlen müssen. Die finnische Regierung, die vor kurzem beiden deutschen Staaten Verhandlungen über die Aufnahme diplomatischer Beziehungen anbot, hat zugleich Kriegsentschädigung angemeldet. Jetzt hat die angesehene finnische Zeitschrift Suomen Kuvalehti (Finnische Bildzeitung) zum erstenmal Zahlen genannt: Die deutschen Wehrmachtsverbände haben bei ihrem Abzug auf finnischem Gebiet Schäden in Höhe von 1,33 Milliarden Mark hinterlassen. Suomen Kuvalehti stützt sich bei ihren Angaben auf den bisher unveröffentlichten Bericht einer Regierungskommission, die unmittelbar nach Kriegsende die betroffenen Gebiete bereist hatte.

Indien braucht Hilfe

Papst Paul VI. hat in einem Spendenaufruf für die ostpakistanischen Flüchtlinge die Massenauswanderung nach Indien als "eine der größten und dramatischsten Völkerwanderungen" beschrieben, welche die Menschheit je erlebt habe. Inzwischen sind dem Hochkommissariat der Vereinten Nationen für Flüchtlinge in Genf Geld- und Sachwerte in Höhe von 700 Millionen Mark zur Verfügung gestellt oder zugesagt worden. Für 350 Millionen Mark ist bereits Hilfe geleistet worden. 70 Millionen Mark stellten die USA als Sonderdarlehen den Vereinten Nationen zur Verfügung. Die bisherige Hilfe beläuft sich jedoch nur auf die Hälfte des Betrages, den die indische Regierung für die rund sechs Millionen Flüchtlinge allein für die nächsten sechs Monate benötigt.