Von Klaus Thiele-Dohrmann

"Die Schweizer haben mich nie richtig gemocht", hatte Le Corbusier einmal geklagt. Der im schweizerischen La Chaux-de-Fonds geborene Architekt galt wenig in seinem Vaterland. In den fast fünfzig Jahren, die er im Ausland, zumeist in Paris, zugebracht hat, in denen er für den Fernen Osten, für Indien und für Brasilien baute, wurden in der Schweiz nur wenige Entwürfe von ihm ausgeführt: Vier Jugenstilvillen in La Chaux-de-Fonds (1906–1912), die "Kleine Villa" in Vevey (1925) und das Mietshaus "Clarté" in Genf (1932).

Eine enthusiastische Le-Corbusier-Anhängerin, die seit einigen Jahren in Zürich von sich und ihrem "Meister" reden macht, wird dortzulande, obgleich sie Heidi heißt, anscheinend auch nicht so richtig gemocht: Heidi Weber.

Frau Weber, eine ebenso attraktive wie unternehmungslustige Galeriebesitzerin, die sich lange Zeit dem Verkauf von Le Corbusiers Möbeln, Tapisserien, Bildern und Plastiken hingegeben hat, tat ihrem Idol zuliebe noch ein übriges. Sie erwarb 1960 von der Stadt Zürich ein Stück Land im Baurecht und ließ darauf einen von Le Corbusier entworfenen Pavillon errichten – für rund anderthalb Millionen harte Schweizer Franken, die sie aus eigener Tasche berappte.

Der Bau, vom Meister selbst replant und nach seinem Tode, 1965, von jüngeren Schweizer Architekten ausgeführt, liegt in einer Parklandschaft am rechten Ufer des Zürichsees. Es ist ein relativ kleiner, zweistöckiger Wohnkubus mit einer auffallend farbenfreudigen Fassade. Das Dach, vom Baukörper getrennt, besteht aus zwei konvex und konkav. gefalteten Stahlschirmen. Wände, Türen und Böden des Hauses, im Baukastensystem aus Fertigteilen zusammengesetzt, sind in eine Stahlkonstruktion verschraubt. Das leicht und luftig wirkende Stahl- und Glasgebäude ist streng nach dem "Modulor"-Prinzip errichtet, einem Proportionssystem, das Le Corbusier auf der Basis des Goldenen Schnitts entwickelt hatte. Der Bau war als maison demonstrative geplant, ein Mittelding zwischen Wohnhaus und Ausstellungsgebäude; tatsächlich wurde er im Laufe der Zeit zu einer Art "Demonstrationsbau".

",Sie und ich, wir beide werden es den Schweizern schon zeigen’, hat Le Corbusier damals Zu mir gesagt", erinnert sich Frau Weber lebhaft. Aber schon die Eröffnung des neuen Centre Le Corbusier, das von Heidi Weber mit dem Zusatz "Forum für Umweltsfragen" versehen wurde, stand unter keinem günstigen Stern: Von den namhaften Architekten, Kunsthistorikern und den Freunden Le Corbusiers in Zürich ließ sich kaum einer blicken; warum nicht, das ist heute schwer zu erklären. Heidi Weber spricht von Intrigen und Verleumdungen, die ihr Projekt seit Jahren behindert hätten. Als Frau habe sie in der Schweiz überdies einen besonders schweren Stand und als Sozialdemokratin einen zusätzlich schweren.