Bis vor ein paar Tagen verwendeten umweltbewußte Hausfrauen in Amerika nur phosphatfreie Waschmittel. Denn Phosphate regen das Wachstum von Algen in Gewässern an, und das so sehr, daß vor allem Binnenseen allmählich zuwachsen und zu ersticken drohen – Fische und Kleinlebewesen gehen schließlich am Sauerstoffmangel in den zu üppig bewachsenen Seen zugrunde.

Jetzt aber hat der Obergesundheitswächter der Vereinigten Staaten, der Surgeon General Dr. Jesse Steinfeld, den Hausfrauen dringend geraten, wieder zu den umweltbelastenden Detergentien mit den Phosphaten zurückzufinden. Zwar steht außer Frage, daß sie die Hauptsünder bei der tödlichen Gewässerüberwachsung sind, doch sind die phosphatfreien Weißmacher, die die Seen nicht vergiften, giftig für Menschen. Tragische Unfälle mit solchen Waschpulvern, die vor allem Kindern widerfuhren, hatten sich in letzter Zeit alarmierend gehäuft.

Schon einmal hatte es Ärger mit einem Ersatz für Waschmittel-Phosphate – sie üben sowohl eine schmutzablösende als auch eine die Oberflächenspannung des Wassers verringernde Wirkung aus – gegeben. Auf der Suche nach umweltfreundlicheren Substanzen für die Wäsche war man auf den sogenannten Komplexbildner Nitrilotriessigsäure – kurz NTA genannt – gekommen. NTA erwies sich in toxikologischen Prüfungen zunächst als harmlos. Doch kaum waren die NTA-Detergentien auf dem amerikanischen Markt, da fand der Pathologe Samuel Epstein von der Harvard-Universität in Tierversuchen heraus, daß der Komplexbildner zusammen mit Metallen, die mit der Nahrung aufgenommen werden, möglicherweise Mißbildungen an Neugeborenen verursacht.

Die Industrie reagierte auf dieses Forschungsergebnis und zog freiwillig NTA-haltige Waschmittel aus dem Handel. Auch in der Bundesrepublik, wo die Firma Henkel in einem Teil eines ihrer Produkte (Dixan) die Phosphate mit NTA ersetzt hatte, um es – in Berlin – auf einem begrenzten Markt zu testen, wurden fortan keine Weißmacher mehr mit dem Komplexbildner hergestellt.

Im Gegensatz zu NTA war von den anderen Phosphat-Ersatzstoffen von vornherein bekannt, daß sie giftig sind, sofern damit durchsetztes Waschpulver geschluckt oder eingeatmet wird. Aber der Druck der Environmentalisten in den USA war so stark, daß manche Detergentienfirma lieber ihre Kunden einer möglichen Vergiftung als sich selbst der Möglichkeit aussetzen wollten, als Umweltverschmutzer vom Markt verdrängt, zu werden. In zwei US-Staaten und in einigen Landkreisen war sogar schon der Verkauf phosphathaltiger Waschmittel verboten worden, und vom Jahre 1972 an sollten in den USA nach einer Empfehlung der Regierung und in Kanada nach einer Verfügung der dortigen Behörden die Phosphate völlig aus den Waschmitteln verschwunden sein.

Offenbar war man fest davon überzeugt, daß die Industrie in kurzer Zeit einen ungiftigen Ersatzstoff für Phosphate finden würde. Diese Hoffnung erfüllte sich nicht.

So sah sich Dr. Steinfeld gezwungen, den Verbraucherinnen die Rückkehr zu den Phosphat-Waschpulvern anzuraten. Werden nun die Gewässer zuwachsen müssen?