Nixon strahlte vor Optimismus. Ein Präsident, der im kommenden Winter Mao die Hand schüttelt und im Mai Breschnjew gegenübersitzt, scheint der Sorgen um seine Wiederwahl schon fast enthoben zu sein. Aber will er mit seiner Gipfeldiplomatie nicht ähnliche Enttäuschungen erleben wie vor ihm Roosevelt (in Jalta), Eisenhower (in Camp David) und Johnson (in Glassboro), muß er mehr vorzeigen können als Souvenirs aus Peking und Moskau. Eine Friedensregelung in Vietnam, eine Begrenzung der Raketenrüstung, einen garantierten Modus vivendi im Nahen Osten etwa würden den Aufwand lohnen.

Niemand vermag im voraus zu sagen, welche Konstellation der Mächte sich im Frühling herausschälen wird, wenn die Staatsmänner nach vielen Reisen, die Diplomaten nach vielen Konferenzen ihre Bilanzen ziehen. Teilabkommen in umstrittenen Weltregionen, befristete Waffenstillstände, die nach Monaten, aber auch nach Jahrzehnten bemessen sein können, sind wahrscheinlicher als weltumspannende Friedensordnungen, die "auf ewig" oder "für ein Menschenalter" halten sollen. Zu gegensätzlich sind die Interessen, zu hart die Rivalitäten der "Großen Drei" – Rußland, Amerika, China –, als daß sie von einer weltweiten Abrüstungskonferenz überdeckt werden könnten, wie sie die phantasiereichen Russen als Fata Morgana an den Horizont werfen.

Weltmächte handeln nach bestimmten Gesetzmäßigkeiten. Ideologien lassen sich nicht mit shakehands und Akkoladen hinwegzaubern. Auch nach Nixons Gipfelsturm wird die Weltgeschichte ein Drama bleiben. Die kleinen und mittleren Nationen – die Europäer, Asiaten, Afrikaner – werden sich beeilen müssen, rechtzeitig ihre Rolle in dem neuen Stück zu lernen. kj.