Manche Rechte, die Angestellten seit jeher zugestanden werden, müssen sich Arbeiter erst vor den Arbeitsgerichten erkämpfen. Bei Angestellten, die während der Arbeitszeit erkranken, zahlen die Arbeitgeber das volle Gehalt für den angebrochenen Arbeitstag. Mit dem darauffolgenden Tag beginnt ohnehin die Sechswochenfrist, innerhalb der jeder Arbeitnehmer Anspruch auf Gehalts- oder Lohnfortzahlung hat.

Arbeitern gegenüber sind viele Firmen kleinlicher. So weigerte sich ein Arbeitgeber, einem Maschinenschlosser, der in den Vormittagsstunden zum Arzt gehen mußte und sofort krank geschrieben wurde, auch die ausgefallene Arbeitszeit am Nachmittag zu vergüten.

Das Bundesarbeitsgericht sprach dem Schlosser den vollen Lohn für den ganzen Arbeitstag zu. Die Bundesrichter entschieden, wenn man die Arbeiter in dieser Frage nicht wie Angestellte behandle, verstoße man "in diskriminierender Weise gegen den Sinn des Lohnfortzahlungsgesetzes". Dieses Gesetz bezwecke nämlich gerade, kranke Arbeiter mit Angestellten gleichzustellen. (Az.: 1 AZR 305/70)