Bonn

Seit dem 1. Oktober müssen die Kommunisten in der Bundesrepublik und auch manche andere, keineswegs links orientierte Bürger auf ein liebgewordenes Rundfunkprogramm verzichten: "Der "Freiheitssender 904" schweigt. Dieser Sender, in einem Waldgebiet bei Burg im Bezirk Magdeburg stationiert – die Frequenzen wurden von der Sowjetunion zur Verfügung gestellt –, hatte sich seinen Hörern als die Stimme der illegalen KPD in der Bundesrepublik vorgestellt und recht munter agitiert.

Die Programme, in modischer Magazinform, waren pfiffig gemacht. Die musikalische Verpackung – ähnlich wie beim "Soldatensender 935", der sein Programm für die Bundeswehr fortsetzt – war hervorragend (Typ Radio Luxemburg), und nicht zuletzt deshalb hatte der "Freiheitssender" eine ganz respektable Hörergemeinde. Ein wenig politisches Indianerspiel wurde auch mitgeliefert. Angebliche oder wirkliche Reportagesendungen aus der Bundesrepublik wurden mit dem Hinweis unterbrochen, der Reporter müsse verschwinden, weil die Polizei hinter ihm her sei. Geheimnisvolle Botschaften wurden durchgegeben – etwa von der Art: "Die Katze kreist um den Mond." Hinter diesen seltsamen Botschaften vermutete man verschlüsselte Nachrichten an Agenten. Sichere Beweise für diese Vermutungen gibt es freilich nicht.

Jetzt ist der Sender nicht mehr zu hören. Für das Schweigen werden zwei Begründungen angeboten. Die erste lautet: Die Sendungen seien eingestellt worden, um ein Tauschgeschäft machen zu können. Sender in der Bundesrepublik, die ihr Programm nach Osten ausstrahlten, zum Beispiel "Radio Free Europe", sollten ähnlich enthaltsam werden. Die zweite Version lautet: "Das Rundfunk-Indianerspiel sei sinnlos geworden, nachdem Max Reimann, der große alte Mann der verbotenen KPD, offiziell Mitglied der DKP geworden sei – einer kommunistischen Partei in der Bundesrepublik, die sich ungehindert an den Wahlen beteiligen könne. Kenner neigen mehr zur zweiten Version, schließen aber nicht? aus-, daß die DDR ihre teilweise agitatorische Enthaltsamkeit honoriert sehen möchte.

R. Z.