Von Ingeborg Zaunitzer-Haase

Sein Image ist blutig, sein Spitzname "Leichen-Flesch". Wenn er guter Stimmung ist, macht er aus. dem F in seiner Unterschrift einen Galgen. Richard K. Flesch, Verlagsleiter beim Rowohlt Verlag, ist Herausgeber der Kriminalroman-Taschenbuch-Reihe "rororo-thriller". 225 Titel erschienen in den knapp zehn Jahren seit Gründung dieser Reihe. Zur Zeit kommen alle zwei Monate fünf neue Titel hinzu. Die Gesamtauflage dieser Blut- und Leichenwerke erreichte bisher etwa 4 850 000 Exemplare.

Kaum mehr als zwanzig, dieser: Titel waren deutsche Originalveröffentlichungen. Rund zwei Drittel wurden aus dem Englischen oder Amerikanischen übersetzt. "Ein Mord in der Lüneburger Heide interessiert die Leute nun einmal nicht so sehr wie ein Mord in London oder New York", sagte Flesch. Und seine Kollegin und stärkste Konkurrentin, Jutta Wannemacher, von Springers Ullstein-Verlag bestätigt: "Ich habe es aufgegeben, mit deutschen Autoren zu experimentieren. Sie sind in diesem Markt meist entweder subjektiv oder objektiv zu uninteressant."

Immerhin hat ausgerechnet ein deutscher Bürger Bestsellerauflagen bei rororo erzielt und dabei gelegentlich sogar das in dieser speziellen Branche seltene Kunststück vollbracht, die Grenze vom Handwerk zur Literatur zu überschreiten: Hansjörg Martin wurde nahezu 250 000mal gedruckt. Frank Arnau, einziger Deutscher im Ullstein-Krimi-Sortiment, erreichte dagegen bei weitem nicht solche Auflagenhöhe.

Überhaupt sind "Bestseller" wie die Krimis des US-Autors Harry Kemelmann (Auflage über. 250 000) oder des schwarzhäutigen Amerikaners Chester Himes (etwa 140 000) in dieser Branche selten. Meist drängen sich Erstauflagen unter 20 000 Stück in Kiosks und Buchhandlungen; Zweitauflagen sind schon Ausnahmen. Rororo druckt beispielsweise zuerst rund 17 500 Stück eines Titels, Goldmann macht es um die 15 000, Ullstein startet mit knappen 20 000 und Heyne findet seine Kostenrechnung bei etwa 16 000 Exemplaren.

Diese vier Namen sind denn auch schon die "größten" am oligopolistisch gegliederten deutschen Taschenkrimi-Markt. Eine Umfrage ‚bei Bahnhofsbuchhändlern – den Umsatzlöwen bei dieser Gattung Literatur – ergab geschätzte Marktanteile:

Ullstein 40 Prozent (bei monatlich fünf neuen Einzelbänden und einem Doppelband);