Von Friedrich Pfäfflin

Das Monopol von Fachbuch und Fachzeitschrift für die wissenschaftliche Informationsvermittlung: es ist gebrochen. Es gibt nämlich heute schnellere und billigere Verfahren, die dem Aktualitätswert wissenschaftlicher Erkenntnisse besser gerecht werden.

Reprint, Mikrofilm und Xerokopie sind in die Sinekure der wissenschaftlichen Verlagsproduktion eingebrochen. Die computergesteuerte Informationsspeicherung wird morgen vieles dem schnellen Zugriff erschließen, was heute noch gesetzt, gebunden, angekündigt, verkauft und schließlich gelesen werden muß.

Wo man wissenschaftliche Ergebnisse als relativierbar begreift, werden alle Stationen, die zu einer Erkenntnis beitrugen, für die Forschung interessant. Die Voraussetzungen gerade dafür waren aber nach dem Zweiten Weltkrieg denkbar schlecht. Viele Bibliotheken waren zerstört. Bände waren ausgelagert worden und verlorengegangen. Aus rassischen und ideologischen Gründen waren Bücher vernichtet worden. Die internationale wissenschaftliche Kommunikation war durch den Krieg unterbrochen gewesen.

Der dadurch entstandene Nachholbedarf, die Notwendigkeiten der Wiederbeschaffung und die zahlreichen Neugründungen wissenschaftlicher Einrichtungen in aller Welt ließen in den frühen fünfziger Jahren die Antiquariatspreise so rapide steigen, daß die Diskrepanz zwischen dem Marktpreis eines begehrten Buches und seinem Herstellungswert immer exorbitanter wurde.

Da entdeckten clevere Antiquare ihre Chance. Wissenschaftliche Texte wurden schließlich nicht aus bibliophilen Gründen gesucht – gesucht wurde das Buch nur als Informationsträger, das Dokument, das einen Forschungsbeitrag leistete.

Man erinnerte sich, daß die der Antiquariats- und Exportbuchhandlung Gustav Fock in Leipzig angeschlossene Akademische Verlagsgesellschaft schon in den dreißiger Jahren seltene naturwissenschaftliche Werke im sogenannten Manualverfahren auf eigenes Risiko nachgedruckt hatte, wenn der Originalverleger keine Neuauflage riskierte. Damit wurden Antiquare zu Verlegern. Und aus jenem gelegentlichen Rollentausch entstand nach dem Zweiten Weltkrieg eine Nachdruckindustrie, die mit dem traditionellen Verlagsbuchhandel nur noch das Produkt gemeinsam hat: Es entstand der Reprint.