Als US-Präsident Richard Nixon Mitte August ankündigte, daß die USA ihre wirtschaftlichen Probleme mit Hilfe von Protektionismus und Dirigismus lösen wollten, versicherte er noch treuherzig, die Politik der USA richte sich gegen niemand. Inzwischen spricht sein Finanzminister Connally eine deutlichere Sprache. In Washington erklärte er, die USA verlangten "erhebliche Opfer" von ihren Partnern, sie strebten weiterhin eine Verbesserung ihrer Zahlungsbilanz an, auch wenn "dies anderen Nationen schadet".

Freiwillig wird aber kaum ein Land das Opferlamm spielen wollen – im Gegenteil. Obwohl Connally während der Tagung des Währungsfonds ein völlig freies Floaten der wichtigsten Währungen und Handelszugeständnisse gefordert hatte, haben die Briten die Devisenkontrollen inzwischen sogar hoch verschärft. Die Schweiz, Italien, Japan und Frankreich denken ebenfalls nicht daran, die Wechselkurse freizugeben. Die Japaner verweigern strikt eine von den USA geforderte freiwillige Beschränkung ihrer Textilexporte.

Ehe es zu einer allgemeinen Neuordnung des Währungssystems und des Welthandels kommt, will kein Land Vorleistungen erbringen. Die Gefahr, daß sie später nicht voll angerechnet werden, scheint zu groß. Es gehört deshalb keine große prophetische Gabe zu der Vorhersage, daß wir noch lange mit der Krise leben müssen. Karl Schillers bereits in Washington angekündigte "schmerzliche Überprüfung" der deutschen Wirtschafts- und Währungspolitik wird Bonn dann nicht erspart bleiben. mj