Friedrich von Schiller:

Wallenstein war zu Bette, als Hauptmann Deveroux mit sechs Hellebardierern vor seiner Wohnung erschien und von der Wache, der es nichts Außerordentliches war, ihn zu einer ungewöhnlichen Zeit bei dem General aus- und eingehen zu sehen, ohne Schwierigkeit eingelassen wurde. Ein Page, der ihm auf der Treppe begegne und Lärm machen will, wird mit einer Pike durchstochen. In dem Vorzimmer stoßen die Mörder auf einen Kammerdiener, der aus dem Schlafgemach seines Herrn tritt und den Schlüssel zu demselben soeben abgezogen hat. Den Finger auf den Mund legend, bedeutet sie der erschrockne Sklav, keinen Lärm zu machen, weil der Herzog eben eingeschlafen sei. "Freund", ruft Deveroux ihn an, "jetzt ist es Zeit, zu lärmen!" Unter diesen Worten rennt er gegen die verschlossene Türe, die auch von innen verriegelt ist, und sprengt sie mit einem Fußtritte.

Wallenstein war durch den Knall, den eine losgehende Flinte erregte, aus dem ersten Schlaf aufgepocht worden und ans Fenster gesprungen, um die Wache zu rufen. In diesem Augenblick hörte er aus den Fenstern des anstoßenden Gebäudes das Heulen und Wehklagen der Gräfinnen Terzky und Kinsky, die soeben von dem gewaltsamen Tod ihrer Männer benachrichtigt worden. Ehe er Zeit hatte, diesem schrecklichen Vorfalle nachzudenken, stand Deveroux mit seinen Mordgehülfen im Zimmer Er war noch im bloßen Hemde, wie er aus dem Bette gesprungen war, zunächst an dem Fenster an einen Tisch gelehnt. "Bist du der Schelm", schreit Deveroux ihn an, "der des Kaisers Volk zu dem Feind überführen und Seiner Majestät die Krone vom Haupte herunterreißen will? Jetzt mußt du sterben." Er hält einige Augenblicke inne, als ob er eine Antwort erwartete; aber Überraschung und Trotz verschließen Wallensteins Mund. Die Arme weit auseinander breitend, empfängt er vorn in der Brust den tödlichen Stoß der Partisane und fällt dahin in seinem Blut, ohne einen Laut auszustoßen.

(Aus der "Geschichte des dreißigjährigen Kriegs")

Leopold von Ranke:

Wallenstein hatte in dem ansehnlichsten Haus der Stadt Wohnung genommen: eine von außen angelegte Wendeltreppe führte zu seinen Zimmern. Diese stiegen der irländische Kapitän Deveroux und einige Soldaten hinauf, um das zweite blutige Werk zu vollbringen. Wallenstein hatte soeben ein Bad genommen und war im Begriff, schlafen zu gehen. Sein Mundschenk, der ihm in goldener Schale den Schlaftrunk gebracht hatte, begegnete den Hereinstürmenden und wollte ihnen empfehlen, die Ruhe des Herrn nicht zu stören. Aber ihm selbst versetzten sie eine Wunde und erhoben das Geschrei: "Rebellen". Indem Wallenstein bei diesem Lärmen wie er war und im bloßen Hemd nach dem Fenster ging, wahrscheinlich um die Wache zu rufen, stieß der Kapitän mit seinen Leuten die Tür auf und schrie ihm die Worte zu: "Schelm und Verräter". Ob Wallenstein einen Begriff von dem hatte, was sich begab? Ob er fühlte, daß der letzte Schritt der Empörung, den er soeben getan, die Rache der kaiserlich Gesinnten unmittelbar über sein Haupt zog? Wahrscheinlich doch, daß ihm der Zusammenhang der Dinge mit einem Mal vor die Seele getreten ist. An einen Tisch angelehnt, die Lippen bewegend, aber ohne einen Laut von sich zu geben, spannte er die Arme weit aus und streckte seine Brust der Hellebarde entgegen, mit der ihn, gerade in die Mitte derselben treffend Deveroux erstach. Man wickelte die Leiche in ein rotes Tuch und fuhr sie in die Burg zu den übrigen Entleibten.

(Aus der "Geschichte Wallensteins")